Jochen Klepper (1903-1942)

Jochen Klepper (1903-1942)

Über Klepper kurz etwas zu schreiben – ist unmöglich. Wer „Unter dem Schatten deiner Flügel. Aus den Tagebüchern der Jahre 1932-1942“ (Hg. v. Hildegard Klepper: Brunnen-Verlag Gießen, 2. Auflage 2002) gelesen hat, wird schier erschlagen von der Grausamkeit der Zeit, von den tiefen Aussagen des Glaubens, dem Suchen, der Kritik an den Christen seiner Zeit. Hat man von der Zeit des Nationalsozialismus als Nachgeborener etwas verstanden, wenn man das (und freilich auch andere, so das von Klemperer) Tagebuch nicht gelesen hat? Wer dann das „Kyrie“ von 1938 (in späteren Auflagen erweitert) reflektierend aufgenommen hat (auch hier zu finden https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/klepper.html), würde am liebsten alle Gedichte abschreiben und der eigenen Besinnung überlassen.

Aber der Reihe nach. Klepper studierte Theologie. Er litt unter depressiv-melancholischen Zuständen. Darum beendete er das Studium nicht, begann stattdessen journalistisch tätig zu werden, indem er Artikel für verschiedenste Zeitungen und dem Rundfunk schrieb – auch für den Vorwärts, denn er war als religiöser Sozialist Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, aus der er schon 1932 austreten musste. Ebenso musste er 1933 den Funk wegen seiner politischen Ausrichtung verlassen und fand eine Stelle im Ullstein Verlag. 1931 (kirchlich 1938) heiratete er Johanna Stein, geborene Gerstel. Sie war einige Jahre älter und hatte zwei Töchter. In der Zeit des Nationalsozialismus litt auch dieses christlich-jüdische Paar an den Unrechtsgesetzen.

Dezember 1933 stellte er den Antrag, um in der Reichsschrifttumkammer aufgenommen zu werden. Die Mitgliedschaft war Bedingung, um ungestört publizieren zu können – er wurde 1934 aufgenommen. 1935 musste er seine Stelle bei Ullstein verlassen, wegen seiner jüdischen Ehefrau. In diesem Jahr (21.7.1935) schildert er auch, wie auf dem Kurfürstendamm Jüdinnen ins Gesicht geschlagen wurden und die Männer sie verteidigen mussten: „zu Hilfe kam ihnen niemand, weil jeder die Verhaftung fürchtet“. Immer wieder beklagt er schon seit 1933 die antisemitischen Zustände, dass die Bürger und Kirchen zu wenig dagegen tun würden.  Er meint, dass Bürger wie Kirchen ab 1936 mehrheitlich gegen die antisemitischen Auswüchse eingestellt seien, ab 1938 seien sie immer nihilistischer und apathischer geworden. Er selbst müsse ohnmächtig mit ansehen, wie sich niemand (Welt und Volk) der Juden annehme – über sich selbst, angesichts seiner Ehe mit einer Jüdin schreibt er: „daß man selbst seinen Anteil tragen muß am Erleiden dieses furchtbaren Unrechts. Die jüdischen Frontkämpfer“ (29.4.1938).

1937 erschien sein erfolgreicher Roman „Der Vater“. In diesem geht es um einen idealen König. Dieser Roman hält den aktuellen Herrschern einen Spiegel vor. Das ist auch von dem Gedichtzyklus „Der König“ zu sagen (s. Jochen Klepper: Ziel der Zeit. Die gesammelten Gedichte, Luther-Verlag Bielefeld, 4. Auflage 1987 [1. Auflage: Eckart-Verlag 1962]). Gott wird darum gebeten wieder einen wahren König erstehen zu lassen. Der wahre König kommt also von Gott und nicht aus Führers Gnaden. Der wahre König ist ein Büßer, ordnet sich allein Gott unter, nicht den Starken und Stolzen, er vergibt, wird Gottes Ordnung aufrichten, er wird sich an dem Zeichen des Kreuzes orientieren. Im ersten Gedicht schreibt er: „und ohne Fahnen dämmert ihn sein Tag. // Herr, wenn die neuen Könige wieder kommen, / wird nirgends ein Geschrei noch Drängen sein. / Nur die Glocken werden läuten, und die frommen / führen den König mit Gebeten ein.“ Der Lärm und die Beflaggungen, die die Nationalsozialisten allerorten veranstaltet haben, sind ihm ein Gräuel. Am 23.3.1936 schreibt er in seinem Tagebuch: „Deutschland ist nur noch bestimmt durch Lautsprecher, marschierende Kolonnen, Fahnen. In diesem unglücklichen Lande Fahnen, immerzu Fahnen.“ Das bedeutet: Menschlicher Hochmut gegen Gott. Ohne dem Gott zugeordneten König sieht es übel aus in der Welt: „Die Völker stehen ganz erstarrt in Waffen, / und der gilt viel, der neuen Tod erdenkt….// Daß sie im guten Wahne noch vernichtet, / das ist die ärgste Wirrnis dieser Welt… // Die Welt in Waffen ist gar sehr entkräftet, / und mancher sieht den Trug in ihrer Macht…“. Diese Sicht bedeutet nicht, dass sich Klepper denen angeschlossen hat, die einen realpolitischen König erstrebten (6.8.1937). Diese Gedichte kursierten, wurden aber erst nach 1945 veröffentlicht. Sie waren auch Reinhold Schneider bekannt, der eine Zeit lang in der Nähe der Familie Klepper wohnte und mit dem er freundschaftlich verbunden war.

Klepper wurde 1937 wieder aus der Reichsschrifttumkammer ausgeschlossen, was bedeutete, dass manche Buchhändler seine Bücher nicht mehr verkauften, allerdings bekam er dann auch wieder eine Ausnahmegenehmigung (10.6.1937), musste allerdings seine Schriften zur Überprüfung vorlegen und warten, bis sie freigegeben werden. Entsprechend konnte der Gedichtband „Kyrie“ erscheinen, der ebenfalls ein Bestseller war. Viele Texte wurden vertont, in Gottesdiensten und anderen christlichen Versammlungen weitergegeben, gebetet, gesungen. Die Texte dieses Bandes werden unten intensiver vorgestellt.

Das Verhalten von Pfarrern, die sich in Gottesdiensten der Zeit anpassen, wird kritisiert: Ich „bestaunte das friedliche Nebeneinander von politischer Verwirrung und theologischer Sauberkeit (also kann weder die Politik noch die Theologie stimmen)“ (29./30.6.1935). Er wollte immer Pfarrer werden, „Aber wenn ich die Predigten höre, wenn ich auf Kirchen und Pfarrhäusern die Kirchenfahne mit der schwarzweißroten und der Hakenkreuzfahne sehe“ ist er froh, im Verlag arbeiten zu können. Er deutet die Zeit als Kampf des Nihilismus gegen die Kirchen. Ihm wird selbst gesagt, dass der „neue (nationalsozialistische) Geist“ die knechtische Gestalt Jesu Christi bekämpfe, nicht Gott (12.1.1938). Zwei Jahre vorher beschreibt er, dass man häufig von Gott spricht, nicht aber von Christus: „Es geht ihnen um den Gott, der den Führer sendet.“ ( 15.9.1936). Kirchliche Persönlichkeiten machen „den Protestantismus zum Knecht des Nationalsozialismus und Luther zum Vorläufer Hitlers“ (9.4.1939). „Die Kirche fürchtet sich vor dem Staat, nicht vor Gott“ (21.4.1939). Die Deutschen Christen „taufen im Namen des Volkes; sie reichen im Abendmahl das Brot als Leib der Erde und den Wein als Saft der Erde; sie verkünden das Johannesevangelium und setzen `Volk´ für `Wort´“ (19.5.1937) bzw. der Leib ist das Volk, das Blut ist die Rasse (31.10.1937). Diesen Verirrungen stellt er, wie unten zu sehen sein wird, sein „Kyrie“ entgegen. Er sieht seine Aufgabe darin: „Teilnehmen an Gottes helfender, rettender Kraft, die sein Reich in das Reich der Sünde und des Todes einpflanzt“ – zudem sieht er sein Leiden als Teilnahme am Gericht Gottes über die Welt an. Gott greift den Menschen an, um ihn zu gewinnen – im Leiden wächst der Glauben, denn nicht Leiden trennt von Gott, nur die Sünde tut es. Dieses Gericht Gottes ist aber auch Selbstgericht. Es sei angemerkt, dass Klepper nicht in der Bekennenden Kirche war, er sieht deren Arbeit als zu polarisierend an (14.1.1940; auch andere Protestanten, die massiv gegen den Nationalsozialismus waren, waren nicht in der Bekennenden Kirche, so zum Beispiel der Professor Karl Heim, weil er ursprünglich dachte diese würde ihre Hauptaufgabe in der Abwehr des Nationalsozialismus sehen statt in der Verkündigung der Christusbotschaft, was er später revidierte; oder Adolf Schlatter kritisierte massiv den Nationalsozialismus, sah aber die Bekennende Kirche von der Dialektischen Theologie beherrscht, die er aus theologischen Gründen nicht unterstützte).

Am 21.5.1935 erkennt er schon: „Es ist so furchtbar schwer, es mitzuerleben, wie Technik, Chemie und die Großpropaganda sich nur auf dieses eine Objekt zu stürzen scheinen: den vollkommenen Krieg. Alles ist für ihn bereit – muß solche Potenz sich nicht erfüllen?“ Schon am 25.6.1934 hatte er in sein Tagebuch geschrieben: „das ist alles so schlimm und erinnert so oft an Krieg: Anleihen, Stimmungs-Propaganda; die Menge militärischer Übungen. Je monumentaler die Feiern und Aufmärsche organisiert werden, je fanatischer die politischen `Führer´ den Fortschritt konstatieren, desto gedrückter wird die Stimmung der Einzelnen“. Während man in England angesichts der Krise Deutschland/Tschechoslowakei für den Frieden betete (16.9.31), war man auch in Deutschland nach der Krise allgemein glücklich, dass es keinen Krieg gab, hat aber nicht einmal offizielle Dankgottesdienste gefeiert (2.10.1938). Hitler legte es auch propagandistisch auf den Krieg an – von daher waren alle Klagen über den Krieg, waren Bitten, alles, was mit Frieden zu tun hatte, verpönt. „Wieder scheint Hitlers dynamische Risikopolitik sich gegen die juristisch-diplomatische Politik der großen Westmächte zu behaupten.“ (15.3.1939) Von einer gleichgeschalteten Deutsche-Christen-Kirche war auch Eigenständigkeit nicht mehr zu erwarten. Das Taktieren Hitlers klappte allerdings wenige Monate später nicht mehr. Im Dezember 1940 wird Klepper zur Wehrmacht eingezogen und war an der Front im Osten und Südosten eingesetzt. Oktober 1941 wurde er wegen seiner Ehe mit einer Jüdin entlassen.

Während seine ältere Tochter 1939 nach England ausreisen konnte, gestaltete sich die Ausreise für die jüngere Tochter zu einem Drama, das das Tagebuch sehr intensiv schildert. Letztlich durfte sie nicht ausreisen. Weil eine Deportation in das KZ befürchtet wurde, hat sich die Familie getötet. Der letzte Tagebucheintrag vom 10.12.1942 lautet:

„Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott –
Wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod.
Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt.
In dessen Anblick endet unser Leben.“

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Was an Klepper auffällt: Er versucht das Leiden von Gott her zu denken – und ist darum nicht fähig, gegen das Leiden anzugehen. Er bemerkt, dass Menschen gegen die Verursacher des Leidens angehen müssten, steht diesem aktiven Handeln jedoch ambivalent gegenüber und versucht selbst, sich aus existentiellen Gründen anzupassen. Er kritisiert Bergengruen wegen dessen „ungerechtfertigte Aggressivität“ (30.10.1938). Klepper ist dankbar für die gutwilligen Menschen im System, während Bergengruen erkennt, dass sie Teil des Systems sind. Er ist auch dagegen, wie es „viele“ tun, den Untergang Deutschlands zu wünschen (3.9.1939), aber er sieht ihn als Strafgericht Gottes an (12.9.1939) – wie es viele Christen in dieser Zeit getan haben. Ein Strafgericht Gottes, das Menschen selbst über sich bringen. Am 1.9.39 begann der Krieg. Der Lehrtext der Losung für diesen Tag: „Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils“ (2. Korinther 6,2), den man als Verblendeter freudig auf den Kriegsanbruch beziehen konnte – aber auch mit Blick auf: Jetzt kommt das Strafgericht Gottes über die ideologischen Barbaren, über das diesen folgende Volk. Auch der sehr harte Winter wird von ihm als Warnung Gottes angesehen – die aber von den Herrschern überhört wird (30.1.40). Das Thema des Krieges als Strafgericht Gottes habe ich schon im Kontext von Gedichten aus der Zeit des 30jährigen Krieges angesprochen.

Die Hybris der Nachgeborenen, die von der Zeit kaum Ahnung haben, mag das verurteilen. Man mag uns Nachgeborenen aber die Frage stellen: Lies einmal die Tagebücher (auch von Klemperer) – empathisch: An welcher Stelle deines Alltags hättest du begonnen, nicht nur über Widerstand zu reden (mit wem?), sondern auch aktiv zu widerstehen (wem hättest du vertrauen können?) – und wie hättest du widerstanden? Welche Verluste hättest du in Kauf genommen? Durch Flucht, wie Thomas Mann und seine Familie, die laut Kleppers Tagebuch vom 5.12.1936 ins Ausland geflohen sind? Je mehr ich als Nachgeborener von der Zeit weiß, desto kleinlauter werde ich. Klepper fühlte sich in den letzten Jahren wie gelähmt.

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Was in den Gedichten über Gott bekannt wird – manchmal versuche ich es im Sinne der damaligen Zeit zu rezipieren – wird nur ansatzweise dargestellt:

  • Gott steht am Beginn von allem, das wissen wir; die Zukunft kennen wir nicht – was wir aber wissen: Sie geht auf Gott zu und bedeutet ein in ihm Ruhen.
  • Gott gibt, Gott nimmt – alles weist darauf hin, dass er unser Leben in der Hand hat, durch „Fülle und durch Einsamkeit / machst du uns nur für dich bereit“ („Der Herr ist nah“).
  • Gott legt das Leiden auf, damit der Mensch sich von allem löst und allein auf Gott vertraut. Wenn Gott das Leiden auferlegt, dann gibt der Mensch auch im Leiden nicht anderen Menschen Macht über sich selbst. Im Tagebucheintrag vom 11.12.1938 heißt es: „wir wissen, was Qual, Ekel, Müdigkeit, Verzweiflung ist – aber wir können nicht irre werden an Gott als dem Vater, Herrn, Führer und Schöpfer.“ Durch das auferlegte Leiden möchte Gott erreichen, dass der Glaubende ganz auf Gott vertraut. Klepper steht hier in der Tradition der christlichen Mystik. Soweit ich sehe, geht Klepper, wenn es um diese Frage geht, nicht auf das Leiden allgemein ein, sondern mit Blick allein auf Glaubende. Nicht die Theodizee-Frage wird so gelöst, sondern wie Glaubende für sich selbst damit umgehen können.
  • Im Tagebucheintrag vom 10.12.1937 heißt es: „Unglück trennt nicht von Gott, nur die Sünde.“ – Das „Weihnachtslied„, das in dieser Zeit entstanden ist, dreht sich darum: „Sieh nicht an, was du selber bist / in deiner Schuld und Schwäche. / Sieh den an, der gekommen ist, / damit er für dich spreche.“ Die Vergebung der Schuld, die Gnade Gottes ist in vielen Liedern spürbar. Das spricht in eine Zeit hinein, in der sich viele Menschen, so auch Klepper, angesichts der Barbareien durch die Ideologie schuldig fühlten. Wie Klepper schreibt, man fühlt sich ohnmächtig angesichts dessen, was in der Welt geschieht. So ist im Tagebucheintrag vom 17.12.1937 auch die Rede vom Versagen des Völkerbundes, aus dem Italien ausgetreten ist und in Abessinien barbarisch herrscht. Es ist vom chinesisch-japanischen Krieg die Rede und „Wieder bittere Nachrichten aus Palästina.“ Der Mensch ist dem weltweiten Toben – nicht nur dem Toben in Deutschland ohnmächtig ausgeliefert.
  • Diese Ohnmacht und das Unrecht ist Folge davon, dass sich der Mensch von Gott gelöst hat, so das „Bußtagslied“ (13.5.1940): „Wir taten Unrecht, fielen tief / und haben uns von dir gewandt. / Wir hörten dich nicht, der uns rief, / und rissen uns von deiner Hand.“ Von so etwas will der stolze Mensch nichts hören. Er ist Gott-los und freut sich dessen. Er will sich Gott nicht unterwerfen, er stellt sich über ihn, macht sich einen eigenen Gott oder verneint die Existenz Gottes. Seine Rasse macht ihn stark, die starken Vorfahren, in denen das Blut der germanischen Götter und Helden rauscht. Das gesamte Lied ist ein Affront gegen die herrschende Stimmung der Zeit.
  • Glaubende haben nicht Gott in der Hand, erheben sich nicht über ihn, sie ringen mit Gott und Mensch „Und selbst erliegend werden sie es preisen, / vom König aller Könige zu wissen.“ Gott wird dann die Kämpfenden ehren („Abendmahl der Männer“). Dieses Gedicht entstand im Zusammenhang zum „Tag des Großdeutschen Reiches“ und greift den Bibeltext von 1. Timotheus 2,8 auf (Tagebuch 347). „Die Männer sollen beten, wie sie streiten: / mit ganzem Willen und mit allen Kräften; / im Aufbruch schon sich auf den Tod bereiten / und deinen Namen an die Fahnen heften.“ Für Gott gilt es zu kämpfen mit den Waffen des Geistes, nicht für die Ideologie des Nationalsozialismus. Gott ist König – mag sich Hitler auch Führer nennen.
  • Wie sehr Gott sich um den Menschen kümmert, der sich Gott zugehörig weiß, wird auch in dem Lied angesprochen: „Er weckt mich alle Morgen“. Geborgen in Gott lebt der Mensch „wie dunkel auch der Tag!“ Der Ruf Gottes gilt. Nicht der Ruf des Volkes und wessen Menschen oder welcher irdischen Größe auch immer. Die Geborgenheit, die Gott schenkt, wird auch im „Abendlied“ ausgesprochen, einem Lied, das „die Leser am stärksten berührt, das meine eiserne Lehre enthält: auf jeden Blick voraus einen zurück!“ (10.10.1938): „Ich liege, Herr, in deiner Hut / und schlafe ganz mit Frieden. / Dem, der in deinen Armen ruht, / ist wahre Rast beschieden.“
  • Diese Nähe Gottes wird auch erfahrbar im Abendmahl, im Brot und Wein. Die Nähe Christi, nicht die Erde im Brot, nicht die Einheit des Volkes, nicht das Blut der Rasse. Häufig werden von Klepper „Brot“ und „Wein“ verwendet, um die „Deutschen Christen“ wieder auf die eigentliche Bedeutung zurückzuführen.
  • Ganz wesentlich ist auch das „Wort“, das Wort Gottes. Es ist nicht das Wort, das aus dem Mund der Ideologen herausgeschrieen wird, das die Menschen bedröhnt und bedrängt. Klepper beklagt, dass „die Sprache der Hybris, die Byzantinismus (sc. Unterwürfigkeit) verlangt, aufs höchste beängstigend geworden ist: beängstigend, quälend, erregend. Nachdem solche Sprache geredet ist, kann nur noch Gott selber sprechen. Hier bleibt nur noch das Wort des alles entlarvenden göttlichen Gerichts“ (19.7.1937). Alle seine Gedichte wie auch seine Tagebucheinträge haben ein biblisches Wort als Grundlage.
  • Diese Spannung zwischen „Gott wohnt in einem Lichte, / dem keiner nahen kann“ – und gleichzeitig dem intensivst nahen Gott: „Aus seinem Glanz und Lichte / tritt er in deine Nacht: / Und alles wird zunichte, / was dir so bange macht“ wird in dem „Geburtstagslied“ zusammengeführt (Tagebuch 10.7.1938).
  • Dem Aktivismus der Zeit wird das Beten entgegengestellt, dem Lärm die Stille, das Innehalten vor Gott. So in dem im Juni 1938 entstandene  Lied, in dem es heißt: „Der Tag ist seiner Höhe nah. / Nun blick zum Höchsten auf, / der schützend auf dich niedersah / an jedes Tages Lauf. // Wie laut dich auch der Tag umgibt, jetzt halte lauschend still, / weil er, der dich beschenkt und liebt, / die Gabe segnen will.
  • Gott ist das Ziel des Lebens und damit auch des Sterbens. Nicht das Sterben für Volk und Vaterland.
  • Auf Gottes Herrschaft geht die Welt zu. Nicht das 1000jährige Reich der Nationalsozialisten ist im Blick.
  • Am letzten Sonntag des Kirchenjahres“ so heißt das Gedicht, zu dem er schreibt: „Ich schrieb ein neues Kirchenlied, wie oft, `wenn mir um Trost sehr bange ist´“ (12.11.1937): „Mein Gott, ich will von hinnen gehen, / der Erdentag wird mir zu lang, / die Tore deiner Stadt zu sehen, / zu hören himmlischen Gesang. / Vor deinem Angesicht zu stehn, / das ist´s allein, was ich ersehn´.

Es ließe sich noch eine Menge schreiben. Deutlich ist: Klepper stellt den christlichen Glauben traditionell dar, schlicht und einfach. Und setzt gerade dadurch in seiner Zeit ein Gegengewicht. Er selbst ist sehr aufgewühlt von den Ereignissen – und gleichzeitig stellt er den christlichen Glauben in einer aufregenden Ruhe dar.

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Im Gesangbuch finden wir heute zahlreiche Lieder: