11.-12. Jh.

10.-12. Jahrhundert. Der Band von Friedrich Wolters: Hymnen und Lieder der christlichen Zeit 1923 enthält für das 10. Jahrhundert zahlreiche anonyme Texte. Diese nehme ich an dieser Stelle zum großen Teil nicht auf. Einfach aus dem Grund: Das würde zu weit führen. Die von mir gesetzten Schwerpunkte sind wie in den vorangegangenen Abschnitten subjektiv von mir gesetzt.

Zu erwähnen ist, dass das 11. Jahrhundert das Jahrhundert ist, in dem der große Anselm von Canterbury (1033-1109) wirkte, schrieb und lehrte. Es gibt tiefe Gedanken von ihm und auch weiter führende. Aber soweit ich weiß, haben wir Gebete von ihm in seinen Werken, aber keine Hymnen. Spannend finde ich das Gebet für die Feinde: https://www.glaubensstimme.de/doku.php?id=autoren:a:anselm_von_canterbury:gebete:gebet_8

Peter Abaelard 1079-1142

Dieser beliebte Gelehrte ist vor allem der Welt bekannt geworden – wegen einer Skandalgeschichte mit Heloise und weil er von dem großen Bernhard von Clairveaux, warum auch immer, theologisch bedrängt wurde. Mag Neid eine Rolle gespielt haben, mag er die mystische Form des Glaubens angegriffen sehen… Abaelard hat zu wichtigen theologischen Fragen Zitate zusammen gestellt, in denen sich berühmte Theologen widersprochen haben: die Fragen führen zur Antwort, der Zweifel zur Wahrheit. Christen, wie Abaelard, suchen aus ihrem Glauben heraus die logisch richtigen Antworten. Es handelt sich um einen theologischen Akt, nicht um einen anti-theologischen. Von Augustinus schon geforderte methodische Beweisführung. Der Verstand muss eingesetzt werden, um das zu erkennen, was dem Verstand möglich ist – letztlich ist er aber zu klein, Gott erfassen zu können. Petrus Venerabilis nahm sich des Verfolgten an. Nicht nur geistliche Lieder schrieb er, sondern war auch wegen seiner Liebeslieder ein gern gesehener Mann.

Seine geistlichen Lieder nehmen zum Beispiel die Tradition des Ambrosius auf (Morgenlied) versteht sie metaphorisch, so in advenit veritas/Wahrheit kommt http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/hymnen/124-advenit-veritas :

Vor Christus weicht zurück / Versteck und hindernis, / Vor solchem lichte bleibt / Kein ort in finsternis. // Von mystischer gestalt / Fällt der umhüllung tuch: / Wahrheit ist wirklichkeit, / Nicht mehr im rätselspruch.

In seinem Hymnus zum Leiden und zur Auferstehung Christi schreibt er:

Unser ist, höchster Herr, / Unser die ganze schuld, / um die als eigne last / Qual erträgt deine huld: / Gib, dass die qual das herz / Mit dir zu leiden zwingt, / Dass doch mitleiden uns / Würdige gnade bringt.“ (Wolters 102)

Mitleiden, sich in den anderen hineinversetzen – das ist es, was viele Gedichte lehren. Manche sehen das als selbstverständlich an. Aber es war ein Wesentliches, das uns die mittelalterliche Frömmigkeit lehrte. Mit Christus wurde auch das Wissen verbunden, dass man schuldig werden kann, die eigene Schuld reflektieren und akzeptieren – und dann zu erfahren: Ich bin durch Jesus Christus frei! Nicht wird der Mensch an seine Schuld gebunden – sondern aus den Fesseln der Schuld befreit. Ebenso werden die Grenzen des Verstandes erkennbar – aber bei Abaelard wird deutlich: Der Verstand darf nicht durch Glauben eingegrenzt werden.

Bernhard von Clairveaux (1090-1153)

Bernhard von Clairveaux war ein großer Kirchenlehrer, Christus-Mystiker und wir würden sagen: Diplomat. Er hatte in seiner Zeit immensen Einfluss auf unterschiedlichsten Gebieten, bis hin zum Baustil. Erkennbar ist ebenso sein Eifer für die Legitimation von religiösen Kriegen (Kreuzzügen; in diesem Zusammenhang sei nur auf das Rolandslied von dem Pfaffen Konrad, der den Kreuzzugskampf des Rittertums intensiv auf Gott bezieht, hingewiesen). In dem Jubelgesang wird die Jesus-Mystik deutlich (Gesänge der Heiligen):

„Herr! weile bei uns jederzeit, / Daß uns Dein himmlisch Licht erfreut; / Das scheucht des Geistes Dunkelheit, / Und fällt die Welt mit Lieblichkeit. // Besuchst Du uns´res Herzens Zell´, / Dann leuchtet ihm die Wahrheit hell; / Die Eitelkeit verleidet schnell, / Und innen sprüht der Liebe Quell. //…// Umfangt Ihn mit der Liebe Blick, / Gebt Lieb´für Liebe ihm zurück; / O Menschen! eilt nach diesem Glück, / Für Huld gebt Treue Ihm zurück. //…// Ob mir auch nie ein Lied gelingt, / Das, Jesu! würdig Dich besingt, / Gleichwohl zum Sang´ mich Liebe zwingt, / Da nichts, wie Du, mir Freude bringt.“ (Gesänge der Heiligen) Intensiv auch wird auch das Mitleiden vertieft (Lieder zu dem leidenden Heilande). Intensiv werden Füße, Knie, Hände, Seitenwunde, Brust, Herz, Angesicht des am Kreuz hängenden Jesus beschrieben: „Kund ist, Jesu! Dir mein Streben, / Eins mit Dir, am Kreuz zu leben“ „Durch die Nägel tiefe Qualen, / So die Hände purpurn malen, / Dringend mit des Herzens Munde, / Saug ich aus der schweren Wunde / Die heil´gen Tropfen liebentbrannt.“

Es wird deutlich, dass im Vergleich mit Abaelard, zwei unterschiedliche Zugänge zu Jesus Christus erkennbar werden. Bei Abaelard der fromme aber intellektuelle Versuch, den Glauben zu durchdringen, bei Bernhard der Versuch, den Glauben mit emotionalem Feuer zu beschreiben. (Diese starke Jesus-Kreuz-Mystik findet sich auch bei Arnulph von Löwen [um 1200-1250] [ http://hymnarium.de/vitae/125-arnulph-von-loewen ])

Adam von St. Victor (1192)

Er war ein bedeutender Dichter und Komponist, von dem viele Texte überliefert wurden. Zahlreiche finden wir im Hymnarium: http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/sequenzen/267-ad-honorem-tuum-christe

„Christus, deinen Ruhm zu mehren, / Sei das Lob der Christenheit“. Dazu dient sein Dichten. Wenn man Abaelard und Bernhard ansieht, erkennt man an Adams „Sequenz zur Geburt des Herrn“, in welche Richtung er tendiert:

„O welchen wunders voll, / O welchen jubels voll / Ist Gottes heiligtum! // Dieser knoten heilger weihe / Wird nicht von der feinsten reihe / Der beweise aufgeknüpft: / Will sich mir das wie nicht gönnen, / Weiss ich, dass mein Gott wird können, / Was dem denken stets entschlüpft.“

Seine Pfingstsequenz besingt den Heiligen Geist. Der die Welt in Bewegung hält, der erfüllt auch die Menschen:

Sohn und Vaters liebesglühen, / Jedem, beiden im erblühen / Gleicher ganz und ähnlicher, / Alles füllst du, alles pflegst du, / Sterne führst du, himmel regst du, / Ewigunbeweglicher. //…// Streust die wahrheit aus hinieden, / Zeigest uns den weg zum frieden, / Pfade der gerechtigkeit. / Aller bösen herzen wehrst du, / Aller guten herz bescherst du / Mit des wissens freudigkeit.“

Bischof Gunther von Bamberg (?): Ezzolied 1064 (?):

Es handelt sich um eine Reimpredigt, die unter anderem die Vita Jesu wiedergibt. Sie besingt zu Beginn:

„Im Anfang war das Wort, / das ist der wahre Gottessohn, / von einem Wort hervorgebracht, / dieser Welt zu Gnaden.“ Und geht dann über auf sein Text: „Das alles schufst du allein, / du brauchtest keine Hilfe dazu. / Ich will dich als Anfang haben / in Worten und Werken.“ Die Schilderung der heiligen Geschichte ist eine Art zweite Schöpfung. Spannend finde ich in den Strophen 25ff. (Kemp) die Aussagen zum Kreuz: der Herr hat gesagt, wenn er an das Kreuz erhöht würde, dann würde er alle zu sich ziehen. Jesu Leiden ist vollbracht, „Nun erfülle, Herr, deine Worte, nun zieh du, himmlischer König, unser Herz dorthin, wo du bist, daß wir deine Dienstmannen von dir nicht geschieden seien.“ Dann wird das Kreuz unter Aufnahme der Schiffsmetaphorik besungen: das Kreuz ist der Mast, die Welt das Meer, „mein Gebieter Segel und Fähre“, gute Werke sind Seile, die nach hause leiten, Glaube ist das Segel, der heilige Geist ist der Wind, der richtig leitet, der Himmel ist der Hafen.

Welch eine Missachtung der sprachlichen Grenzen: Die Sprache soll erschaffen.

Notker von Zwiefalten (+ nach 1090)

schrieb die erste Bußpredigt Memento Mori in Reimform (Kemp 15ff.):

„Nun bedenket, Frauen und Männer“ – und es folgt das Denken an den Tod. Aber nicht nur daran, sondern auch: „Gott schuf euch alle, ihr kommt aus einem Manne (Mensch), er gebot euch zu leben, mit Liebe hier zu sein, damit ihr ein Mann (Mensch) seid, das habt ihr nicht gehalten, habt es nicht getan.“ Gott gab die freie Wahl (selbwala)…

Annolied 1080: Es handelt sich um eine Geschichtsdarstellung: Gott schuf die materielle und die geistliche Welt – und der Mensch ist eine Mischung von beiden. Diesen Aspekt möchte ich hervorheben. Weiteres ist zu lesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Annolied – der Mensch ein Grenzgänger.

Hildegard von Bingen (1098-1179)

Hildegard von Bingen hat zahlreiche Lieder hinterlassen. Sie waren ihr wichtig, weil sie in ihnen die Harmonie der Welt wiedergeben wollte – nicht nur mit der irdischen Welt, sondern auch mit der himmlischen Welt. Sie sollen die Harmonie zwischen Menschen herstellen und das soll ein Vorgeschmack sein auf die künftige Harmonie. Aber nicht nur als irdisches Singen, sondern das irdische Singen hat Teil an der himmlischen Liturgie. Das rief Widerstand hervor, sodass ihr vom Mainzer Chef Singen verboten wurde. Ihre „irdischen“ Gesänge hatten zahlreiche Heilige im Mittelpunkt. Ihre Sicht: Die Engel singen – der Mensch kann sie nicht singen hören, weil er zu laut ist. Ein paar Zeilen aus einem Lied auf den Heiligen Geist:

Der Heilige Geist ist Leben erzeugendes Leben, / alles bewegend und Wurzel der gesamten Schöpfung; alles wusch er von der Unsauberkeit rein (https://lyricstranslate.com)

Sie besingt das Feuer des alle vereinigenden Geistes: „O Feuer des Geistes, du Leben des Lebens aller Kreatur, / … / Darum sollst du gepriesen sein, der du der Klang des / Lobes und die Wonne des Lebens bist, die mächtigste / Hoffnung und Ehre, welche spendet die Gabe des Lichtes.“ (Ü: Weimer)

Hildebert von Lavardin (+1133):

Er hat ein erstes philosophisches Prosimetrum des Mittelalters geschrieben, das heißt, ein Prosatext und Gedichte werden miteinander verknüpft. Von ihm gibt es auch einen Hymnus auf die Trinität: http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/hymnen/223-alpha-et-o-magne-deus Dieses Gedicht beschreibt Gott, indem er immer das Gegenteil von dem sagt, was er zuvor gesagt hat. Das macht Sinn, weil Gott eben nicht greifbar ist. Beispiel http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/hymnen/223-alpha-et-o-magne-deus :

Drüber ganz, beherrschend, waltend,
Drunter ganz, begründend, haltend,
Draußen ganz, das All umschlingend,
Drinnen ganz, das All durchdringend,
Nicht im Drinnen eingeschlossen,
Nicht im Draußen ausgeschlossen…

Entsprechend beschreibt er das Mysterium Jesu Christi und das des Geistes Gottes. Dem folgt das Geheimnis, dass der Mensch als Sünder und dem Tod geweihter von Gott begnadet und leben wird.

Nur auf dich, o Herr vertrau’ ich, / Auf dich hoff’ ich, auf dich bau’ ich, / Du mein Lied, du meine Habe, / Was ich bin, ist deine Gabe.

Er schließt das umfangreiche Gedicht:

Möcht ich einst in deinen Hallen / Mit den lieben Heil’gen allen, / Mit den Vätern und Propheten / Alleluja singen, beten.

Gott bedenken – sprengt Grenzen. das verdeutlicht das Gedicht dieses Autors.

Hartmann von der Aue (1180-1205): Er sei hier kurz erwähnt, weil er religiöse Form auf das zwischenmenschliche Zusammenleben konzentriert. Zudem gibt es von ihm Kreuzfahrerlieder, von denen eines zeigt, dass man im Sinne des Autors diesen Kreuzzug nur mit reinem Sinn begehen kann, und so Ehre von der Welt und das Seelenheil erwerben kann. Man muss allen Verlockungen entsagen (Weimer: Gebete der Dichter, 36ff. „Mein freuen sorge nie verlor – ebenfalls ein Kreuzzugs-Lied; Wolters 81f.; das ist weitgehend Kennzeichen der sogenannten Kreuzlieder).

Reinmar der Alte verquickt Glaubensaussagen mit seinem Alltag: Gott möge sein Liebesleiden sehen und anerkennen (Swaz ich nu niuwer maere sage). In seinem schönen Liebeslied (Ich zoch mir einen valken) bittet Der von Kürenberg (1150) Gott, Liebende zusammenzuführen. Diese tändelnde Aufnahme des Glaubens findet man häufiger in der Minne. Walther von der Vogelweide (1170-1230): Vielfach bittet er um Gottes Hilfe in Angelegenheiten der Minne https://gutenberg.spiegel.de/buch/die-gedichte-walthers-von-der-vogelweide-8888/2 Aber auch unabhängig davon blitzt der Glaube immer wieder durch: Er bittet Gott darum, dass er ihn führe, aber mit dem Feindesliebegebot hat er so seine Schwierigkeiten (Vil wol gelobter Got; angemerkt sei, dass Hartmann von der Aue in „Seit ich den sommer trug nur leid“ meint: Wollt ich den hassen, der mir leides tut / So möchte ich mein eigener feind wohl sein.“); der Mensch liebt, der die zehn Gebote hält, alle sind Brüder, Christen, Juden und Heiden, alle Lebenden, werden von Gott ernährt (Swer ane vorhte, herre Got); in dem Gebet Mit saelden müeze ich hiute uf sten bittet er um Schutz, damit Gottes Gebot erfüllt würde. Kritik an der Moral seiner Zeit übt er vielfach, so in Nu wachet und Kritik an dem Papst, dem alle folgen, auch wenn er lügt und trügt (Wir alle klagen). Er beklagt auch, dass Ehre, Besitz und Gottes Gnade, die wichtigsten Dinge im Leben, nicht zu erhalten sind, solange Untreue, Gewalt herrschen, Friede und Recht gefährdet sind (Ich saz uf eime steine). „Alle Fürsten stehn jetzt in Ansehen, nur der höchste ist erniedrigt. Das hat die Wahl der Geistlichen verschuldet. Das sei dir, lieber Gott, geklagt. Die Geistlichen wollen das Recht der Laien umkehren.“ (Künc Constantin; Ü: https://gutenberg.spiegel.de/buch/die-gedichte-walthers-von-der-vogelweide-8888/3 ) Gott selbst ist dem Geist unzugänglich („unseren sinnen unbereit“): er ist zu groß, zu klein (Mehtiger got).

Das Gebet (Ane valsch du reiner) von Wolfram von Eschenbach (1170-1220) ist aus der Perspektive des Glaubens sonderbar: Wenn Gott richtig handelt – kann der Beter richtig handeln, wenn der Beter sündigen wird, soll Gott barmherziger sein: du bist Christus, also bin ich Christ („du bist Krist, so bin ich kristen“)(Weimer 35). Er wie andere auch haben die weltliche Dichtung dann und wann mit der geistlichen Dichtung zusammengeführt. So wächst der Protagonist im Parzival durch Prüfungen zum Glaubenden. In Willehalm (306; 450; 462) wird zum Beispiel verdeutlicht, dass alle Menschen Geschöpfe Gottes sind, von daher auch die Heiden zu achten sind. Ebenso sind die feindlichen Ritter, die man besiegt hat, zu bestatten. Die Liebe des Menschen spiegelt die Liebe Gottes wider. Die Sünde verhindert es, zu Gottes Gnade zu gelangen, erst die mitfühlende Frage führt zum Ziel der Erkenntnis. Es handelt sich um einen Erziehungsroman.

Bei so manchem Minnesänger entspricht die (theoretische?) Minne vielfach nicht der christlichen Moralvorstellung – und es wird deutlich, dass der Kleriker Gottfried von Straßburg (+1215) den christlichen Glauben konterkariert. Wohl indem er die Realität seiner Zeit wiedergibt und nicht, wie sie sein sollte. Auch wie er sie haben wollte: ohne Gott und christlichen Glauben? Das Nibelungenlied (um 1200) ist auch von dieser Art Realismus geprägt worden. Der Mensch ist wie er ist: Er intrigiert, streitet, ist hinterhältig, sein aus damaliger Sicht heldenhaftes Tun erstrebt Nachruhm, man will Freude – es kommt Leid.

Zur asketischen, mahnenden Dichtung gehören z.B.: Der arme Hartmann (vor 1150): Das Gedicht die Rede von dem heiligen Glauben. Der wilde Mann (1170/80): Predigt in Form eines Gedichtes gegen die Habsucht. Der sg. Heinrich von Melk (2.H. 12. Jh.): Massive Priesterkritik gegen Verfall moralischer Sitten in Gedichtform. Solche Kritiken am Klerus, an den Mönchen wird vielfach geäußert. Gedichte werden also auch eingesetzt, um Menschen einen Spiegel vorzuhalten. Auf Spervogel (um 1170) geht das Wort Weihnachten zurück: Er ist gewaltig und stark, / der zur weihe Nacht geboren wart/ Das ist der heilige Krist. Es folgen Reflexionen zu Himmel und Hölle und es schließt: Er habe lange einem Mann gedient, der in der Hölle Macht hat und ihn zu Bösem angestiftet hat. Er bittet den Heiligen Geist, sich von dem Bösen lösen zu können. https://lyricstranslate.com/de/er-ist-gewaltic-unde-starc-er-ist-gewaltig-und-stark.html Krist sich ze marterenne gap – der kurze Text endet damit, dass nach der Auferstehung Jesu in die Hölle hinein Licht scheint, das Jesu Kind tröstet. Der wilde Alexander (13. Jh) dichtete eine Allegorie, in der es um Kinder und Schlangen geht, das heißt um Glaubende und das Böse – man muss es fliehen, bevor es gebissen hat (Hie bevorn do wir kinder waren). Die Dichter lehrten dem Adel christliche Tugenden. Hugo von Montfort (1357-1423) fragt am Morgen den Morgenwächter, ob es Tag sei. Dieser antwortet mit Blick auf das Weltende: Er ist nah und er müsse sein Leben ändern. Er solle den Herrn und seine Mutter („zwölf Sterne hat sie zur Krone“) anrufen. Aber dazu ist der Fragende nicht bereit, sondern will rechtzeitig geweckt werden. Christus muss gnädig sein und Maria möge ihm einen guten Tag geben. Auch Oswald von Wolkenstein (1377-1445), der letzte der großen Minnesänger, schreibt (Ich spúr eín tier) eindringlich von der Not: Ein Tier will ihn fressen (der Tod) – die Rechnung wird ihm präsentiert – er kann nicht zahlen. Weg sind Freunde und Kinder, die erben – er allein steht da mit leeren Händen. Er wendet sich an Maria, sie möge sich an ihren Sohn wenden, damit er ihn auch erlöse. Auch andere Gedichte sind von diesem Tenor geprägt (Mein herz das swint; Loblicher gotEin Angstring hat mich fest umschlossen). Auch würde er gerne ein Gott gefälliges Leben leben, er kann es aber nicht – er ist zu alt dafür (Ich sehe, höre). Er dankt Gott, weil er die Frau schön erschuf (Schluck es runter, Freund). Und er war gegen den Reformator Hus (Gott muss für uns fechten; Aus manchem Schnabel hörte ich), wohl weil er die mittelalterliche Ordnung zerstört hat: Der Priester soll beten, der Ritter soll kämpfen, die Diener sollen das Essen herbeischaffen. (Auf diesen Seiten werden die Wolkenstein-Lieder veröffentlicht: http://www.wolkenstein-gesellschaft.com/texte_oswald.php : geistlich zum Beispiel 14 und 15 Dank, 29, 31, 32, 111 [Passion])

In diesem Zusammenhang sei auf Othlos Gebet hingewiesen. Othlo, ein Mönch, der 1070/2 gestorben ist, schreibt ein Gebet, in dem aufgezählt wird, was Menschen der damaligen Zeit unter einem guten Verhalten verstanden. Es bittet um Trost, Kraft und um die Fürbitte sehr vieler Heiligen, ein solches Leben führen zu können. In dem Hymnus O salus mundi besingt er die Gnade Gottes http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/hymnen/320-o-salus-mundi :

Uns bleibt keine Bedrängnis des Schmerzes, / die Macht des höchsten Sohnes zeigt sich jedem, / der in reinem Glauben und wachsamer Sorge an ihn glaubt.

Petrus Damiani (1006-1072)

ein in seiner Zeit sehr bekannter sittenstrenger Mann, hat gegen die sexuellen Missstände im Klerus gekämpft. In einem Gedicht stellt er die Höllenstrafen vor Augen:

„O wie schrecklich, o wie furchtbar / Einst des richters stimme klingt, / wenn er in bereite flammen / Die verdammten niederzwingt…“ – es folgt die Schilderung der Hölle. Dann: „Stellt vor augen diesen schrecken / Euch in eurer raserei, / Bleibt mit peinlichem beharren, / Ernstem eifer stets dabei, / Aus den schlingen schlechter sitten / Macht den Hals der seele frei…“ ( http://hymnarium.de/hymni-ex-thesauro/sequenzen/79-o-quam-dira-quam-horrenda )

Doch bevor das geschieht, muss der Sterbende schlimme Zeiten durchleben (Vom Tage des Todes):

„In der Brust des alten Sünders / Naget der Gewissenszahn; / Er beweint versäumte Stunden, / Die er nicht mehr nützen kann: / Ach, warum hat der Verstockte / Früher Busse nicht getan?“ Es endet: „Fluch der Finsternisse Fürsten! / Fluch dem höllischen Verband! / Führe das erlöste Schäfchen, / Guter Hirt, in´s Vaterland, / Wo mit Dir ich, ewig lebend, / Selig sei an Deiner Hand.“

Gleichzeitig lockt er mit der kommenden Harmonie, in der irdische Auseinandersetzungen beendet sind (Von der Glorie des Paradieses):

Wo die Weisheit selber schaltet, / Was ist dorten unbewusst, / Wo das Tiefste sich entfaltet / Jedem in des Andern Brust. Nur ein einz´ger Wille waltet / In der Eintracht höchsten Lust.“ (Gesänge der Heiligen)

Auch Thomas von Celano (1190-1260) (zugeschrieben?) erinnert den Menschen an das Gottesgericht, den Tag des Zornes: Dies irae dies illa http://hymnarium.de/hymni-breviarii/sequenzen/133-dies-iraep;catid=3