17. Jh.

Jakob Balde (1604-1668)

War ein Dichter, der in seiner Zeit in hohen Ehren stand. Er war Jesuit und Rhetorikprofessor und vieles mehr. Er gründete die „Gesellschaft der Mageren“ – kämpfte gegen das Übergewicht und schrieb auch ein Pamphlet gegen das Rauchen. Das sei nur am Rande gesagt. In seinen Gedichten besang er sehr viel – aber ich beziehe mich auf die Gedichte, die bei Zoozmann übersetzt vorliegen. Diese stellen Marien-Gedichte in den Mittelpunkt. So bezeichnete er Maria als Göttin (Diva), als Himmelskönigin, auf die der Sohn Jesus Christus hört (Zoozmann 509) (siehe unten). Spannend wird auch hier das barocke Element, er kann Maria nicht wirklich verstehen: „Nennst du dich auch jetzt noch, der Überdreisten / Hochmut zu bezwingen, die `Magd des Herren´, / Und so Gold wie Lichtglanz der Himmelskuppel / Willst du verschmähen? // Aber seis; wir lieben ja dieses Zwielicht…“– in dem Maria in der Krypta der Marienkirche in München steht. Zudem meint er, dass der Maria ein Bogen wie einer antiken Göttin gezieme, der Olymp sich ihr neige. Im Zusammenhang der Himmelfahrt der Maria schreibt er, dass sie über alles hinausgehe, was nicht Gott ist und „tauchtest ganz den Geist in die Gottheit.“ Bislang habe ich Marien-Gedichte nicht aufgenommen, wollte hier nur zeigen, wie sich das Barocke bemerkbar macht.

Zumindest Zoozmann lässt erkennen, dass im katholischen Bereich lateinische Gedichte mit Blick auf Maria und Heilige überwiegen. Von daher werde ich nun wieder andere Gedichte in den Blick nehmen. Es sei allerdings darauf hingewiesen, dass sein Ordensbruder und bedeutender Astronom Albert Curtz (1600-1671) zumindest in der Version von Adolf Lohmann Gott anspricht (Gotteslob 381): „Dein Lob, Herr, ruft der Himmel aus…

Johann Klaj (+ ca. 1656)

war Lehrer und Pfarrer. Er hat manches, das von der Form her an neuzeitliche Gedichte erinnert; so das Gedicht „Der leidende Christus“: In ein Frühlingsgedicht wird immer wieder als Kontrast das Leiden Jesu hineingewoben. Aber auch eine Art Vor-Jandl kann er sein. Da das aber nicht Thema meiner Darstellung ist, möchte ich es mit dem Hinweis darauf auf sich bewenden lassen. Den Nürnberger Friedenskongress 1649/1650 hat er als Teilnehmer auch besungen.

Wie schläft er ein? Im Abendlied schrieb er eher klassisch am Schluss: „Jetzt leg ich mich nun nieder / zur angenehmen Ruh, / jetzt rasten meine Glieder, / die Fenster fallen zu: / ich lege Händ und Füße / fein kreuzweis unbetrübt, / das ist mein Ruheküsse: / `Also hat Gott die Welt geliebt´“ (die „Fenster“ sind die Augen).

Sein Freund und Dichterkollege Harsdörfer betet auch in einem langen Gedicht zur Nacht: „Herr! laß dich gnädig finden / Und schütz mich diese Nacht. / Erlaß mich meiner Sünden, / Die ich den Tag vollbracht. / Gib, daß ich ruhig schlaffe / Ohn böse Träum und Schmertz, / Und in mir neu erschaffe / Ein dir gehorsams Hertz.“ (Alle Zitate: Kemp.)

Paul Fleming (1609-1640)

Von diesem bedeutenden Dichter und Arzt der Barockzeit, Gesandter in Russland und Persien, befindet sich nur ein um die Hälfte gekürzter Text – eine Nachdichtung des 6. Psalms im Gesangbuch („In allen meinen Taten / lass ich den Höchsten raten“; 368), der zu seinen berühmtesten gehört – gleichzeitig aber auch das Besondere dieses Dichters wiedergibt: Er reflektiert seine Erlebnisse, bringt stark seine Biographie mit ein – in der Tradition der Psalmen. Sehr schön spricht das auch sein Gedicht „Andacht“ aus https://www.gedichte-lyrik-online.de/fleming_paul-gedicht_259-andacht.html.

In seinen Gedichten ist viel von Schuld die Rede, in die er tief versunken ist, die aber durch das Blut Jesu genommen wurde. In: „Er hat alles wol gemacht“ heißt es: „Die Seele, die ist krank. Dem Geiste wird vergeben. / Er trinkt den Kelch für uns. Stirbt selbst für unser Leben. / Zerbricht der Höllen Burg und was den Tod verwacht. // Schleußt unser Gräber auf, wird selbst die Himmels-Leiter, / ja, selbst der Himmel gar. Ruft läuter, rufet weiter: / Er, er hat alles wol und mehr als wol gemacht!“ Aus diesem Wissen um Vergebung folgt die Gewissheit des ewigen Lebens, und so schreibt er auch sehr zu Herzen gehende Gedichte zum Tod von Menschen. In dem Gedicht, das zu dem Tod eines neugeborenen Mädchens gedichtet wurde („Auf Herren Timothei Poli neugebornen Töchterleins Christinen ihr Absterben“), heißt es: „Kleine Tochter, sei nun selig / und zeuch uns auch stets allmählich / nach dir auf und Himmel-an; / daß auch wir der Zahl der Frommen, / in die du bist aufgenommen, / balde werde zugetan.“ Eine große Zuversicht spricht die Ode aus: „Lass dich nur nichts nicht tauren / mit Trauren! / Sei stille! / Wie Gott es fügt, / so sei vergnügt, / mein Wille.“ Zwei weitere Verse sprechen dieses Vertrauen auf Gott aus. Er schrieb aber auch in „An meinen Erlöser“„Arzt, ich bin krank nach dir.“ Aber dennoch die Zuversicht: „Dein Tod hat meinen Tod, du Todes Tod, getötet.“ Die Vergänglichkeit des Menschen, der seine Zeit hat – aber die Zeit geht weiter, auch wenn der Mensch seine Zeit verloren hat – das ist sein Thema. Zusammen mit dem Eingang in die endlose Zeit, die keine Zeit ist, die Zeit bei Gott. („Gedanken über die Zeit“) Diese enge Gottverbundenheit bedeutet auch, dass der Mensch er selbst werden kann: „Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann, / Dem ist die weite Welt und alles untertan.“ („An sich selbst„) (Zitiert: Kemp 155ff.)

*

Zu den folgenden Dichtern sei angemerkt, dass ich nicht tausende Gedichte gelesen habe. Ich spreche auch nicht alle an, die ich gelesen habe. Es handelt sich um eine subjektive Auswahl, die versucht, den Glauben in der schweren Zeit des 30jährigen Krieges ein wenig nachzuspüren. Die Grenzen der Grausamkeiten werden aus Glauben heraus überwunden. Zudem: Die Grenze zwischen Mensch und Gott wird durch Gott aufgehoben: Schuld hindert nicht mehr das Sein bei Gott. Vergebung gibt es durch das Sterben Jesu – er ist der Grenzen-Zerstörer.

Simon Dach (1605-1659)

War ein äußerst produktiver Dichter und Professor für Dichtkunst. Sehr bekannt wurde durch eine Übertragung sein „Ännchen von Tharau“.

Die mir zugänglichen geistlichen Gedichte sprechen viel vom Sterben und der Zuversicht, nach dem Sterben bei Gott zu sein: Im „Sterbelied“ heißt es: „Trüg ich durch den Tod / Nicht nach dir Verlangen, / O, in meiner Not / Wär ich längst vergangen; / Du bist, einzig du, / Nichts sonst, meine Ruh,“ (Zitiert nach Felix Braun.) Das Gedicht: „Was haben wir zu sorgen“ schließt mit dem Sein vor Gott nach dem Sterben: „Da wollen wir, von Leben / Und Lust berauscht, erheben / Der Stimm´ und Saiten Klang / Und singen: ihm gehöre / Macht, Weisheit, Herrschaft, Ehre / Und aller Liebe Dank!“ (Zitiert nach Weimer) Woher haben wir das Wissen, dass es nach dem Sterben weiter geht? Im Jesus-Kind erkennen wir: „Ein Licht, das plötzlich fähret / Tief in der Gräber Nacht / Und uns den Tod erkläret / Mit alle seiner Macht“ (Zitiert nach Kemp). „O wie selig seid ihr doch, ihr Frommen, die ihr durch den Tod zu Gott gekommen“ hat Johann Sebastian Bach zum Teil aufgenommen und vertont: https://www.youtube.com/watch?v=fqQ8pH2Frb4 

Im „Lied der Freundschaft“ schreibt er: „Gott stehet mir vor allen, / die meine Seele liebt; / dann soll mir auch gefallen, / der mir sich herzlich gibt. / Mit diesem Bunds-Gesellen / verlach ich Pein und Not, / geh´ auf den Grund der Höllen / und breche durch den Tod.“ Im „Lob der Liebe“ heißt es, dass Gott die Liebe ist, darum der Mensch lieben kann und alle Liebeswerke tut – keine besonderen, sondern einfach das, was wichtig ist. Und aus der Liebe Gottes heraus haben Menschen zu essen und kümmern sich darum, die Felder zu bebauen, sie tanzen… Und: „Du wagst dich in die Wangen / Der Frauen-Bilder hin / Und führst den starcken Sinn / Der Männer so gefangen.“ Aber: „O seelig, seelig wären / Wir Menschen allerseit! / Die wir durch Haß und Streit / Erbärmlich uns verzehren, / Wenn doch auch uns die Liebe / Die alles hie und da / Und selbst den Himmel ja / Am meisten Gott treibt, triebe.“ Es wird nicht ganz deutlich: Ist Gott diese Liebe – oder wird Gott durch die Liebe gedrängt, liebend zu handeln. Seien wir aber nicht allzu dogmatisch.

Spannend ist der Text „Wie manches Lied hab ich zu der Zeit aufgesetzt“. Spannend darum, weil er die Grausamkeit des Krieges beschreibt, dann aber einen bislang neuen Klang hören lässt: „Mein Albert, werter Freund, laß uns tun, was wir können / Will gleich die Zeit so kurz uns hie zu sein vergönnen, / Wir zwingen ihren Zwang, sie wüte wie sie kann, / Sie greift nicht unsern Geist, noch seine Gaben an.“ Man ergibt sich nicht nur in sein Schicksal, in das, was man als Gottes Strafe ansieht, sondern es scheint ein neuer Gedanke in dem Gedicht zu sein: Zu widerstehen. Dieser Ansatz war durch den Aspekt „Buße“ mitgegeben: Man tut Buße, man setzt den Grausamkeiten, die das Leben gefährden – auch dem Krieg, der Pest, üblen Herrschern usw. – etwas entgegen, lässt sich von nichts unterkriegen. Diese Formulierung von Dach ist mir allerdings noch nicht begegnet.

Nicht in der Natur wird die Liebe Gottes sichtbar. Sichtbar wird sie im alltäglichen sozialen Tun der Menschen erkannt. In Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, die Ordnung unterstützen, auch im gegenseitigen Verlangen der Geschlechter – als Teil der Ordnung Gottes.

Johann Rist (1607-1667)

Neben Paul Gerhard ist er einer der ganz großen protestantischen Dichter des 17. Jahrhunderts. Einige Lieder finden wir im Gesangbuch: Im Lied „Brich an du schönes Morgenlicht“ (EG 33) wird besungen, dass Jesus unser Bruder geworden ist (so auch im Lied: „Ermuntre dich, mein schwacher Geist“); in dem Neujahrs-Jesus-Lied „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen“ (EG 61) bittet er: „Herr, du wollest Gnade geben, / dass dies Jahr mir heilig sei / und ich christliche könne leben / ohne Trug und Heuchelei“; zwei Loblieder sind aufgenommen worden („Man lobt dich in der Stille“ [323] und das Abendlied „Werde munter mein Gemüte“ [475]. In diesem letztgenannten Lied  bittet er im Jahr 1642 darum, dass Krieg und andere Übel weggetrieben werden. Ein paar Jahre später verlor er allen Besitz und musste mit seiner Familie nach Hamburg fliehen. (Die gleich zitierten Texte stammen aus dem Gesangbuch von 1878.)

Nicht im Gesangbuch ist „Auf, auf, ihr Reichsgenossen“. Es handelt sich nicht um ein politisches Lied, in dem die Deutschen aufgefordert werden, etwas zu tun. Die Reichsgenossen sind diejenigen, die zu Gottes Reich dazu gehören. Sie sollen dem König – also Christus – mit ihrem Leben entgegengehen. Dieses Lied hat stark endzeitlichen Charakter. Im Epiphanias-Lied „Werde Licht, du Stadt der Heiden“ – wird besungen, was ist, bevor Jesus Christus kommt: „Ach, wie  waren wir verblendet, / ehe noch dies Licht brach an! / Ja, da hatte sich gewendet / schier vom Himmel Jedermann: / unsre Augen und Geberden klebten einzig an der Erden.“ Im Jahr 1662 – also ein paar Jahre nachdem er alles verloren hatte – dichtete er den Text: „O Jesu meine Wonne, / du meiner Seelen Sonne, / du Freundlichster auf Erden, / laß mich dir dankbar werden.“ Er dankt dafür, dass Jesus Leiden auf sich genommen hat, dass durch das Abendmahl „herrlich ich beglücket und himmlisch bin erquicket.“ Im Leiden empfangen Glaubende durch Jesu Leiden und durch das Abendmahl Lebens-Kraft.

Durch Johann Sebastian Bach wurde das Lied: „O Ewigkeit, du Donnerwort“ – ebenfalls aus dem Jahr 1662 – bis heute allgemeiner bekannt. Uns heute scheint es sich mit dem Lied um ein verirrtes Etwas zu handeln, weil es massiv vor der Höllenpein warnt. So wird es auch überschrieben: „Eine sehr ernstliche und ausführliche Betrachtung der zukünftigen unendlichen Ewigkeit“. In der Zeit, in der Menschen grausam übereinander herfallen, ist es ein Lied, dass diese brutalen unmenschlichen Menschen zur Umkehr bewegen möchte. Drohung vor dem gerechten, strafenden Gott soll dazu bewegen, menschlich zu werden.  Es ist also kein Lied, gedichtet in Wohlstand und Sicherheit, sondern eines, in dem Menschen der Willkür wildgewordener Wesen ausgeliefert sind. Er hat die Hölle auf Erden erfahren – von ihm gibt es manche Lieder, die das Thema „Hölle“ haben bzw. auch den eigenen Tod und die eigene Vergänglichkeit im Blick haben.

Dank überwindet die Grenze, hilft, dass der Mensch nicht in Not verharrt, an der Erde klebt.

Die Cantate von Bach: https://www.youtube.com/watch?v=8XLePEjXGmk

In dem Jahr, in dem Johannes Rist geboren wurde, wurde auch der bekannteste der protestantischen Dichter dieser Zeit,

Paul Gerhardt (1607-1676) geboren.

Wie kann man die Fülle der bekannten und wunderschönen Lieder Paul Gerhardts darstellen – auf so kurzem Raum? Gar nicht. Einfach die Lieder des Gesangbuchs verfolgen – im Anhang des Gesangbuches unter den Autoren findet man auch die Nummern der Lieder. Eine Liste findet sich auf https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Gerhardt

Im Gesangbuch von 1878 waren noch zu finden: „Wir singen dir, Immanuel“ (Weihnachten); „Sei mir tausendmal gegrüßet“ (Passion; auf der Vorlage von Arnulf von Löwen); „O du allersüßte Freude“ (Pfingsten) (88), „Der Herr, der allerenden regiert mit seinen Händen“ (141), „Der Tag mit seinem Lichte“ (318), „Wie schön ists doch Herr Jesu Christ“ (Ehe-Lied)(332), „Du bist ein Mensch, das weißt du wohl“ (362), „Geduld ist euch von nöthen“ (363), „Auf dem Nebel folgt die Sonne“ (364), „Ich hab in Gottes Herz und Sinn mein Herz und Sinn ergeben“ (365), „Schaut, welch ein Wunder stellt sich dar“ (430), „Nicht so traurig, nicht so sehr“ (505). Das zeigt noch einmal an, welcher Beliebtheit sich die Lieder erfreuten.

Paul Gerhardt hatte auch ein schweres Leben. Es herrschte der 30 jährige Krieg und es starben, als er ca. 12 bzw. ca. 14 Jahre alt war, sein Vater und seine Mutter. 1636 lebte er nach seinem Studium als Hauslehrer in Wittenberg und es herrschte die Pest. Er zog 1643 nach Berlin. Durch Epidemien waren dort ca. 50% der Menschen gestorben. In dieser Zeit in Berlin begann er Trostlieder zu schreiben. 1666/1667 wurde Paul Gerhardt aus dem Amt entlassen, weil er sich weigerte, ein Toleranzedikt zu unterschreiben. 4 seiner 5 Kinder sind gestorben, 1667 starb auch seine Frau. 1668 erhielt er einen anderen Predigt-Ort. Dort lebte er bis zu seinem Tod.

Angesichts dieser biographischen Angaben kann man verstehen, wenn er In dem Lied: „Auf dem Nebel folgt die Sonn“ (364) schreibt: „Meine Seele, die zuvor / sank bis zu der Hölle Thor“ – aber sie bleibt dabei nicht stehen, denn der Glaube führt weiter: „steigt nun bis zum Himmelschor.“ Aber dennoch, er beschönigt nichts, sondern: „Ich will gehn in Angst und Noth, / ich will gehn bis in den Tod, / ich will gehn ins Grab hinein / und doch allzeit fröhlich sein.“ Das heißt, das ist alles da, Angst, Not, Tod, aber auch das ist da: „Wem der Stärkste will beistehn / wen der Höchste will erhöhn, / kann nicht ganz zugrunde gehen.

Was macht seine Lieder so besonders? Sie sind einfacher formuliert als die von Andreas Gryphius – aber auch nicht einfacher als die Gedichte anderer, die hier dargelegt wurden. Sind es die Melodien? Melodien waren zum Teil traditionell, zum Teil variieren sie – was zum Lied von „Befiehl du deine Wege“ zu sagen ist. Andere hat sein Freund Johann Crüger, Kantor in Berlin, mit Melodien versehen. Manche bekamen die uns bekannten Melodien erst später, so „Geh aus mein Herz und suche Freud.“

Was macht die Lieder so besonders? Ich möchte nur auf das Lied 505 eingehen: „Nicht so traurig, nicht so sehr.“ Es geht in dem Lied darum, dass der Mensch mit dem, was er hat, zufrieden sein soll. Wenn er sich an Gott hält, hat er alles, was er braucht – und das in Ewigkeit. Es hat in der mir vorliegenden Fassung 15 Strophen. Sie beinhalten allgemeines Wissen – greifen somit das auf, was ein jeder weiß, aber gesagt bekommen muss, damit er sich daran erinnert. In diesem Text finden wir auch Weisheiten, zum Beispiel in der 7. Strophe: „Ach wie bist du doch so blind und im Denken unbedacht! / Augen hast du, Menschenkind, und hast doch noch nie betracht / deiner Augen helles Glas: / siehe, welch ein Schatz ist das!“ Das nimmt er dann als Ausgangspunkt darüber nachzudenken, was man nicht beachtet hat, obgleich es da ist (9. Strophe): „Nun, so gehe in den Grund / deines Herzens, das dich lehrt, / wie viel Gutes alle Stund / dir von oben wird beschert; / du hast mehr als Sand am Meer / und willst doch noch immer mehr.“  Das heißt: Nicht Paul Gerhardt lehrt das, sondern das eigene Herz lehrt mir – ich habe es nur noch nicht so richtig wahrgenommen. Es wird weiter angesprochen, dass Gott zu Wünschen nein sagt, wenn sie nicht gut sind. Das enttäuscht den Menschen. Aber Gott selbst hilft, die Enttäuschung zu tragen, so die Strophe 12: „Unterdessen trägt sein Geist / dir in deines Herzens Haus / Manna, das die Engel speist, / ziert und schmückt es herrlich aus; / ja er wählet dir zum Heil / dich zu seinem Gut und Theil.“ Gott hilft nicht allein, die Enttäuschung zu tragen, sondern macht den Menschen ganz groß. Aber dennoch will der Mensch noch nicht so recht freudig sein. Darum sagt die 13. Strophe: „Ei so richte dich empor, / du betrübtes Angesicht! / Laß das Seufzen, nimm hervor / deines Glaubens Freudenlicht. / Das behalt, wenn dich die Nacht / deines Kummers traurig macht.“ In meinem Kummer herrscht schon das Glaubenslicht – ich muss es also nur beachten. In der 14. Strophe nennt er den Menschen: Himmelssohn, der schon mehr bekommen hat, als ihm eigentlich zusteht, und er schließt den Text mit der 15. Strophe. Die letzten Verse lauten: „Geht dirs widrig: laß es gehn; / Gott und Himmel bleibt dir stehn.

Vielleicht ist es das, was die Besonderheit der Lieder von Paul Gerhardt ausmacht.

Andreas Gryphius (1616-1664)

Ist auch einer der ganz Großen Dichter der Zeit – im Gesangbuch allerdings nur mit einem Text vertreten, der 1650 datiert ist: „Die Herrlichkeit auf Erden muss Rauch und Asche werden“ (527) – er besingt die Vergänglichkeit des Menschen – es mündet in dem großen Schlussvers, der auf Gott weist. „Wohl dem, der auf ihn trauet! / Er hat recht fest gebauet, / und ob er hier gleich fällt, / wird er doch dort bestehen / und nimmermehr vergehen, / weil ihn die Stärke selbst erhält.“

Als Kind ist er fast ertrunken, ebenso ist sein Vater, als er noch klein war, gestorben, er hat als Jugendlicher seine Mutter verloren, und litt unter den Konfessionsverfolgungen – er hat also schlimme Zeiten durchgemacht, die auch sein Dichten prägten. Zudem erkrankte er als 24jähriger schwer („Tränen in schwerer Krankheit“; „An sich selbst“) .

Die Vergänglichkeit des Menschen ist Thema vieler seiner Gedichte – und viele haben nicht diesen positiven Ausblick, den wir im oben genannten Lied haben. Aber: In dem Gedicht über die „Heimsuchung Mariäs“ spricht er zu dem ungeborenen Jesus-Kind: „Komm, komm! Mein Geist wird dir mit Lust entgegen gehen, / Und ob er liegt, durch dich in lauter Wonn aufstehn“. Denn durch die „Geburt Jesu“  „Des Grabes Dunkelheit muß durch die Nacht verschwinden. / Nacht, lichter als der Tag! Nacht, mehr denn lichte Nacht!“ Die starke Jesus-Frömmigkeit wird auch in dem Gedicht „An den gekreuzigten Jesum“ deutlich.

Anders als viele zuvor zitierten Ausschnitte aus den Gedichten, muss man eigentlich das gesamte Gedicht lesen, um die sprachliche Schönheit wahrnehmen zu können. Es geht bei ihm nicht nur um den Inhalt, sondern auch um die Sprache.

Das gilt für das Gedicht zum Karfreitag („Am guten Freitage“) und natürlich auch „Am Tage der Auferstehung Christi“ und dem Gedicht „An Gott den Heiligen Geist“: „O Regen, der in Angst mit Segen uns befeuchtet! Ach, laß ein Tröpflein nur von deinem Lebens-Tau / Erfrischen meinen Geist! Hilf, daß ich doch nur schau / Ein Fünklein deiner Glut! So bin ich ganz erleuchtet.“ (In „An den Heiligen Geist“ – sagt er: Ich schlummer – ich irre – ich seufz – ich zweifle – ich schwind: „O Leben aller Ding! Ich sterbe, leb in mir!“) Sehr schön spricht er auch den Glauben aus in „Ewige Freude der Auserwählten“: „O! wo bin ich? O was seh ich? wach ich? träumt mir? wie wird mir? / Jesu! welcher Wollust Meer überschwemmt mein fröhlich Herz!“ Aber noch ist er auf Erden: „Herr! es ist genung geschlagen, / Angst und Ach genung getragen“ („Schluß des 1648sten Jahres“). (Alle Zitate: Kemp.) Das zeigt auch, dass er nicht einfach alles als gegeben runterschluckt. Er begehrt auf. Und diese Zerrissenheit – einmal ein äußerst starkes Vertrauen, dann aber auch starke Anklage lassen den Barock-Dichter erkennen. Dieser Zwiespalt löst sich in dem Gedicht zu seinem Geburtstag auf: „Dank sei dir!“„Doch über Wunder geht, Herr!  daß ich dich erkenn, / Daß ich, ich blöder Mensch, dich Gott und Schöpfer nenn. / Daß ich mich von der Erd hinauf in Himmel schwinge. // Mehr über Wunder geht, daß du dich mir entdeckt / Und Zuversicht zu dir in meinem Geist erweckt, / Daß ich, o Wunder Gott! Von deinen Wundern singe.“ (Zitiert aus Hederer)

Kurze Zwischenbemerkung:

Wir sehen an vielen der Dichter, dass sie versuchen, die konfessionelle Spannung dadurch zu umgehen, dass sie sich auf das Zentrum christlichen Glaubens konzentrieren: die Liebe Gottes zu den Menschen – die Liebe des Menschen zu Christus.

Sibylla Schwarz (1621-1638)

Wie an den Jahresangaben zu sehen ist, ist sie schon sehr früh gestorben, sie starb an Ruhr. Sie lebte in schlimmen Zeiten, die sie unter anderem kurz in „Ein Christliches Sterbelied“ schildert:  „Ey / was hastu fur Gedancken / Wan da so viel Leichen stehn? / Wan da liegen so viel Krancken / Die den Todt für Augen sehn? / Wan die Götter dieser Erden / Selber auch begraben werden?“ Weil der Tod dermaßen vor Augen steht, soll man sich selbst vorbereiten. Vorbereiten bedeutet, Gott um Vergebung zu bitten und sich in seine Hand legen: „Gib mir Gott ein Sehlig Ende / Führ mich durch des Todes Thal / Nimb mich fest in deine Hende / Kürtze mir des Todtes Qual / Laß mein Hertze nicht verzagen / Für des Todes grimmen Plagen!“ Sie bittet darum, dass der Glaube nicht genommen, sondern gemehrt werde und schließt das Gedicht mit der Bitte, die recht grausam ist und eindrücklich formuliert wurde: Gott möge sie auf Erden plagen, damit sie im Jenseits davon verschont werde. Anders in dem Gedicht „Ein Lied gegen Ihren Seel: Abschied„, in dem sie schreibt: „Den harten Todes=Kampf tritt an / du meine liebe Seele / geh an die wehrte Himmels=bahn / lass deines Cörpers Höle / der wird gar bald zu seiner Zeit / dir nachzufolgen seyn bereit.“ – das bedeutet, sie greift die alte Sichtweise auf, dass die Seele sich vom Körper löst, zu Gott gelangt – der Körper wird später nachkommen. (Vgl. auch „Ein Buß=Lied“.)

Kritik übt sie an den Adel – das sei nur genannt, damit deutlich wird, dass sie auch politisch wach war. Zudem schrieb diese erstaunliche junge Dichterin Liebes-und Freundschafts- und Trostlieder. Im „Gesang wider den Neidt“ spricht sie das Dichten als Frau an. Sie begründet es damit, dass auch die Musen Mägde (also Frauen) sind (Zitiert nach: http://www.wortblume.de/dichterinnen/sterblie.htm) Weitere Texte: Hier

Angelus Silesius / Johannes Scheffler (1624-1677)

Seine Epigramme haben eine weite Verbreitung gefunden und sie enthalten in seinem „Cherubinischer Wandersmann“ starke mystische Ansätze – allerdings eine Mystik, die vielfach Gott und Mensch ineinander verschwimmen lässt – faszinierende Sätze, weil sie schon das kommende Denken ahnen lassen (Feuerbach, Nietzsche)(zitiert aus Kemp):

Gott mag nicht ohne mich ein einzigs Würmlein machen: / Erhalt ichs nicht mit ihm, so muß es straks zerkrachen.

Ich selbst muß Sonne sein, ich muß mit meinen Strahlen / das farbenlose Meer der ganzen Gottheit malen.

Die Mystik war es, die ihn dazu brachte, vom Protestantismus zur katholischen Kirche überzutreten. Die Protestanten würden die Vernunft vergöttern. Sein scharfer Kampf gegen die Protestanten verhinderte nicht die Aufnahme mancher Lieder in Evangelische Gesangbücher. Die Lieder atmen stärker traditionellen Geist als seine Sinnsprüche: Mir nach, spricht Christus, unser Held (385), Ich will dich lieben, meine Stärke (400), Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht (401), Gott, weil er groß ist (411). Weitere gab es im Gesangbuch von 1878: O du Liebe meiner Liebe (63), Tritt her, o Seel, und dank dem Herrn – für die Schöpfung (137) – und andere, eher traditionelle Texte (272, 446, 482). In dem Gesangbuch von 1834 [?] wird auch das Lied Herzallerliebster Gott ihm zugeschrieben. In der 5. Strophe heißt es: „Entflamme du mein Herz / mit einer reinen Liebe, / die ich sowohl an dir, /als an dem Nächsten übe.“ In dem oben genannten Text: „Ich will dich lieben, meine Stärke“ finden wir in der dritten Strophe eine sehr schöne Formulierung, die nicht einen Menschen meinte, sondern Jesus Christus anredet, zu dem der Dichter zurückkehrt (vgl. Heermann):
Ach daß ich dich so spät erkennet /
Du Hochgelobte Schönheit du!
Und dich nicht eher mein genennet /
Du höchstes Gut und wahre Ruh!
Es ist mir leid und bin betrübt /
Daß ich so spät geliebt.

Liebe spielt, wie an den Anfangszeilen der Lieder schon ersichtlich, eine große Rolle. Wie in der Mystik, die Liebe der Seele zu Gott. Liebe überschreitet die Grenze – die Grenze zwischen Mensch und Gott wird überschritten.

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Im Zusammenhang von Silesius seien genannt:

Daniel von Czepko (1605-1660)

beeinflusste Angelus Silesius. Die Sinnsprüche sind ebenfalls dieser mystischen Art (zitiert aus Kemp):

Was suchst du Gott? Gott ist dir inniger als du / Daß du dich suchst, deckt Gott – drum findst du ihn nicht – zu.

Gott mußt du gleiche sein, willst du Gott recht erkennen; / Was Gott nicht ist, das muß zugrunde dir verbrennen.

und Friedrich von Logau (1605-1655)

War ebenfalls Vorläufer von Angelus Silesius. Diese Epigramme sind allerdings weniger mystisch. Nur eines sei zitiert (Zitiert aus Hederer): „Der Hammer, Gottes Wort, schlägt auf des Herzens Stein; / Jetzt aber will der Stein des Hammers Hammer sein.“

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Luise Henriette von Oranien, Kurfürstin von Brandenburg (1627-1667)

Sie war die einflussreiche Frau des sogenannten „Großen Kurfürsten“, Friedrich Wilhelm von Brandenburg. Sie hat mit Politik gemacht – aber auch: sie hat die ersten Kartoffeln nach Brandenburg geholt und ein Waisenhaus gegründet – und war wohl insgesamt auch im Zusammenhang des Krieges sozial sehr aktiv. Sie hat ein Gesangbuch für Brandenburg initiiert und selbst gedichtet. Sie starb an Tuberkulose.

Zwei Texte sind auch in der Sammlung von Pressel überliefert sowie sehr stark abweichend in dem Gesangbuch von 1878. Beide Versionen sind massive Bußlieder: „Ich will von meiner Missethat / zum Herren mich bekehren; / du wollest selbst mir Hülf und Rath / Hiezu, mein Gott, bescheren, / Und deines gutes Geistes Kraft, / Der neue Herzen in uns schafft, / Aus Gnaden mir gewähren.“ Das Lied: „Jesus meine Zuversicht“ wird heute im EG Otto von Schwerin zugeschrieben (allerdings gekürzt).

Catharina Regina von Greiffenberg (1633-1694)

Sie besingt diese große Liebe Gottes („Du Brunn der wahren Lieb“ in: „Auf die Tränen“) angesichts des Nichts des Menschen („Ich bin ein Nichts, aus Nichts“, in: „Über Gottes gnädige Vorsorge“), aber dieses Nichts verspürt große Schmerzen, darum „Halt Gottes Willen still! Bricht schon das Herz vor Schmerz“ (in: „In äußerster Widerwärtigkeit“). Sie bittet um Weisheit, „Der schöne Seelen-Schatz pflegt überall zu funkeln“. Sie bittet um Nachtruhe: „Und du meiner Ruhe Ruh / Herzen-Herrscher, komm herzu, / sei du selbst mein Schlafgemach: / gib, daß ich dir schlafend wach.“ (zitiert nach Kemp) Im Gott lobenden Frühlingslied sieht sie Gottes Schönheit aus den Blumen blicken und Gottes Süße schwingt sich aus den Früchten in den Mund – denn alles, was zu sehen ist, ist Gottes Ebenbild (vgl. Simon Dach). Im Wiesen-Liedlein besingt sie jede Blumenfarbe – und verbindet sie mit dem Glauben. (Weitere Gedichte: https://www.zgedichte.de/gedichte/catharina-regina-von-greiffenberg.html und eine weitere Fülle, die auch ihre Experimentierfreude zeigt: http://www.zeno.org/Literatur/M/Greiffenberg,+Catharina+Regina+von/Gedichte/Geistliche+Sonnette,+Lieder+und+Gedichte, sowie zahlreiche Figurengedichte. Als ein spannendes Gedicht empfinde ich: „Verlangen / nach der herrlichen Ewigkeit“. Die Seele wird aufgefordert, sich wieder dahin zu schwingen, wo sie her gekommen ist. Im Augenblick ist sie auf der Erde: „Wollst mit süsser Denke-Lust deine weil dieweil vertreiben“, so lange, bis sie in die Zeit versetzt wird, in der sie von Zeit befreit wird. In die Ewigkeit wird „der belebend Tod“ „entleibend einverleibt“. Und sie bittet darum: „leg die künfftig Wunder-Wonn´ in den Mund und auf die Zungen / daß ich klärlich herrlich schreibe / wie dein will ohn Ziel dort ist / uns mit dir / dem höchsten Gut / zu vereinen unverdrungen.“ Die letzte Bitte bittet darum, dass Christus zum Gericht kommen möge. Es findet eine Kultivierung der Gegensätze statt. Es wird erst verstanden, wenn die Gegensätze zusammenfallen (zeitlose Zeit) – das mündet dann darin ein, dass die Seele mit dem vereint wird, womit eigentlich eine Vereinung nicht möglich ist, mit dem höchsten Gut, also Gott. Das alles bedeutet für das Thema: Grenzen sind aufgehoben – auch wenn sie noch erkennbar sind. Und das Gericht Christi – die letzte Zeile, korrespondiert mit der ersten Zeile: das Gericht möge kommen in die eitle Zeitlichkeit. Aus dieser Zeitlichkeit heraus soll sich die Seele schwingen. (Text: http://www.wortblume.de/dichterinnen/verlewig.htm )

Biographisch ist zu sagen, dass auch ihr Leben schwer war. Wohlhabend geboren, gut ausgebildet, dann aber aufgrund der konfessionellen Auseinandersetzungen, der – soweit ich das sehe – erzwungenen Heirat und intrigantem Spiel derer, die die Burg in ihren Besitzen bringen wollten, in die Armut getrieben. Verarmt siedelte sie mit ihrer Mutter nach Nürnberg. Dort lebte Sigmund von Birken, den sie gut kannte und der sie unterstützte.

Bei Catharina Regina von Greiffenberg wird die Grenze durch die Natur-Mystik aufgehoben: Wie im Abendmahl Jesus Christus in Brot und Wein anwesend ist, so der Schöpfer in den Gaben der Natur.

Aemilie Juliane von Schwarzburg-Rudolstadt (1637-1706)

Diese Dichterin dichtete hunderte von Liedern (laut Pressel 587). Im EG sind noch zwei enthalten: „Bis hierher hat mich Gott gebracht“ (329) und „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!“ (530; gekürzt). In dem Gesangbuch von 1878 finden wir ein Lied mit Blick auf ein Unwetter (352), in dem angesichts des Unwetters die Angst zum Ausdruck kommt. In dem Band von Bers finden wir das Danklied einer Mutter, dass sie die Entbindung überlebt haben. In einer der sieben Strophen heißt es: „Gesund und frisch zur Welt Er bracht / Die Arbeit seiner Hände: / Zur frölgen Mutter Er mich macht / Daß / wo ich mich hin wende : / (Ich seh das Kind / ich seh mich an;) / Ich sage / das hat GOTT gethan / Daß Kind und Mutter lebet.“ Pressel führt ein weiteres Lied an. In dem bittet sie „Um Bewahrung der Seele“: „Es ist dir, Jesu, unverborgen, / Daß ich dich lieb vor aller Welt“ – Jesus mag ihre Seele bei sich bewahren. Wenn in Wikipedia auf die Titel ihrer Werke geschaut wird, dann fallen Worte auf, die aufmerksam machen – wie die soeben genannte Strophe: Kühlwasser In grosser Hitze des Creutzes und der Trübsal; oder: Geistliches Weiber-Aqua-Vit, Das ist, Christliche Lieder und Gebete… – all diese machen Lust, mehr zu lesen – aber leider sind mir weitere Texte nicht zugänglich.

Anna Sophie / Sophia, Landgräfin von Hessen-Darmstadt (1638-1683)

Schon als Kind und Jugendliche las sie ganz eifrig die Bibel und lernte wohl auch hebräisch und griechisch. Sie wurde Äbtissin eines evangelischen Stifts. Sie hat laut Pressel 40 Kirchenlieder gedichtet. Das Andachtsbuch heißt: „Der treue Seelenfreund Christus Jesus…“ – und diese Worte geben auch den Kern ihrer Texte wieder.

Bei Pressel finden wir zwei Lieder: „Schönster Jesu, liebstes Leben, / Meiner Seelen Aufenthalt, Dir hab ich mich ganz ergeben“ Sie will ihn lieben, „Denn ich weiß, du liebest mich“. In den weiteren Strophen wird dargelegt, dass sie bei dieser Liebe bleiben möchte, auch wenn andere anderes lieben bzw. auch wenn sie angegriffen wird. Das Wissen darum, dass der Mensch von Gott geliebt wird, führt zur Liebe Gottes. Liebe wird von Gott hervorgerufen. Im „Glaubenslied“ lesen wir in den letzten Strophen: „Herr Jesu Christ, / Allein du bist / Mein höchster Schatz auf Erden. / Ach! Laß mich nicht, Mein Lebenslicht, / Von dir geschieden werden. // Denn du bist mein, / Und ich bin dein, / Dir hab ich mich ergeben / In Glück und Freud, / In Kreuz und Leid, / Im Sterben und im Leben.“ „Du bist min, ich bin din“ – eines der ältesten Liebesgedichte in deutscher Sprache. Ob sie es kannte?

Sie verquickt Christus ganz intensiv mit dem Leben, mit ihrem Leben. Christus bleibt dominant. Im 19. Jahrhundert verquickt Lou Andreas-Salomé Gott mit dem Leben – aber es dominiert das Leben über Gott. Gott ist nicht mehr Person.

Jean Racine (1639-1699)

Racine verlor als Kind seine Eltern, seine Großeltern wurden Bezugspersonen, bis der Großvater starb und die Großmutter sich zurückzog. Er wuchs danach in einem jansenistischen Internat auf. Das jansenistische Internat wurde bekämpft und geschlossen, so ging er in ein solches in Paris. Der Jansenismus war eine Erneuerungsbewegung im Katholizismus und betonte die Gnade Gottes in einer rigorosen Form. Damit verbunden war eine tiefe Spiritualität und einfache Lebensführung. Bekämpft wurde die Bewegung vom König und dem von ihm unter Druck gesetzten Papst. In Paris machte er Bekanntschaft mit kulturellen Kreisen und entfremdete sich seiner religiösen Tradition – bzw. emanzipierte sich von ihr. Er schrieb Tragödien. Er arbeitete mit Moliere zusammen, sie trennten sich jedoch, weil er sich einer anderen Schauspielergruppe zuwandte und eine Schauspielerinnen als Geliebte mitnahm. Als er am Hofe Achtung fand, wandte er sich gegen seine jansenitische Tradition.

Nach einen Ausflug in die Welt der Bühnen, die er 10 Jahre mit großem Erfolg betreten hatte, zog er sich zurück und war Chronist der zahlreichen Kriegszüge des Königs, Ludwig XIV., und war Vorleser, wurde in den Adelsstand erhoben. Er heiratete ca. 10 Jahre nach dem Tod seiner Geliebten und kehrte wieder zu den Jansenisten zurück – was dem König nicht besonders gefiel. Nun schuf er wunderschöne geistliche Texte. Einmal in Anlehnung an die christliche Tradition der täglichen Gebete, dann aber, nachdem er darum gebeten wurde, schrieb er für eine Mädchenschule die Tragödien aus christlichem Geist Esther und Athalie. Für die Mädchenschule schrieb er auch wenige Jahre vor seinem Tod vier Geistliche Gesänge: (1) Lobpreis der Liebe (ausgehend vom ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther 13), (2) Das Glück der Gerechten und das Unglück der Verworfenen (ausgehend von Weisheit 5), (3) Klage eines Christen über die Widersprüche in seinem Leben (ausgehend von Römer 7), (4) Die eitlen Beschäftigungen der Weltleute. Alle vier wurden wie die beiden Tragödien vertont.

Zu (1) Er schließt den Lobpreis: Wann kann ich dir anbieten, höchste Liebe, im Licht das Lied meiner Seufzer? Immer brennend für deinen Ruhm, immer trinkend aus der Quelle wahrer Freuden? Willige übersetzt: „Wann wird es mir, hehre Liebe, gelingen / Im Schoße des Lichts dir zu singen / Das Lied meiner sehnenden Brust, / Dir entbrennend ins Knie dann zu sinken, / Um immer zu schöpfen, zu trinken / Vom Borne der wahrhaften Lust?“

(Zu 2) Ich möchte mit Blick auf Baudelaire, Verlaine und Rimbaud, die ca. 200 Jahre nach ihm lebten und dichteten, die zweite Strophe zitieren: „Wie tief in Schmerzen versunken / Werden einst jene Törichten sein, / O Herr, die ihr Leben jetzt trunken / Der Welt und der Eitelkeit weihn, / Wenn sich zeigt, daß die Lust, die sie hatten, / Nichts war als ein nichtiger Schatten, / Der geht und für immer versinkt…“. Und mit Blick auf Racine selbst die 5. Strophe: „Von unseren unrechten Taten / Was blieb uns als Frucht zuletzt? / Wohin sind die Titel geraten, / Die der Hochmut zum Ziel sich gesetzt? / Wer leibt uns? Wer führt unsere Sache?“ Gott.

Zu (3) Das ist auch Kennzeichen seiner Tragödien: die Spannungen in den Menschen zu zeichnen. Das Gedicht beginnt: „Mein Gott, welch ein grausames streiten! / Ich sehe zwei Menschen in mir. / Der will, daß in Liebe zu dir / Mein Herz bleibe treu dir zurseiten, / Und jener will es verleiten / Zum Trotz und zu eitler Begier.“ Das treue Herz im Streit mit dem Rebellen gegen Gott. Gott wird gebeten, in seiner Gnade den Kampf zu beenden. Anders als Paulus: Er sieht den Kampf durch Jesus Christus beendet!

Ich werde zu den jeweiligen Gebeten kaum etwas sagen, da sie traditionellen Glauben in seine Gegenwart übertragen. Schön ist zum Beispiel die Formulierung im Morgenlob: „Nun leuchtet von Osten der Morgen. / So durchleuchte das Licht uns, das Jesus bewirkt, / Ja, Jesus, im göttlichen Vater geborgen, / Wie in ihm sein göttlicher Vater sich birgt.“ Die traditionelle Aussage, die die Gebete schließt: von Ewigkeit zu Ewigkeit – ersetzt er zum Beispiel durch: „Der den Wandel der Zeit wirkt tausendgestaltig / Und wandellos ruht.“ (Qui fais changer des temps l´inconstante durée, / Et ne changes jamais.“ Häufig wird eine Beobachtung aus der Natur als Ausgangspunkt für eine Glaubensaussage genommen: „Des wachsamen Vogels Kehle / Erweckt uns; verjagt wohl ihr Singen die Nacht. / So läßt Jesus sich hören der schlummernden Seele / Und ruft sie zum Leben, das Er uns gebracht.“ Zur Mette am Mittwoch lässt er die Glaubenden beten und singen – wie Paulus und die Propheten zu singen lehrten. Hier werden die Jahrhunderte christlichen Glaubens durch Lied und Gebet umrahmt: es begann mit dem Lied der Propheten und des Apostels – es endet nun für die Glaubenden in ihrer Zeit in ihrem Lied und Gebet. So könnte ich Text für Text durchgehen, überall sind Perlen verborgen.

Die Mette am Dienstag hat Fauré vertont:

Ludmilla Elisabeth von Schwarzburg-Rudolstadt (1640-1672)

Sie war Autorin zahlreicher Kirchenlieder (Pressel: 207) – zugänglich sind mir drei aus Pressel (weitere, aus dem Englischen rückübersetze Texte berücksichtige ich nicht). Das zeigt auch hier: Es bleibt viel zu entdecken. In dem einen Lied „Hingabe an Jesum“ geht es eben darum: „Jesus, Jesus, nichts als Jesus / Soll mein Wunsch sein und mein Ziel.“ In „Sommerfreude“ besingt sie die Schönheit der Natur – freut sich aber nicht nur an dieser Gottesgabe, sondern dass sie auch den Geber, also Gott, hat. Die soeben genannt Aemilie Juliane war ihre Schwägerin. In dem Band von Bers finden wir ein Vertrauensgedicht, in dem es heißt: „Mit Gott will ich trauen Gott… Hab ich Gott zur Beute / So hab ich hier gnug und viel / Und dort ewig Freude.“ Gott als Beute – eine interessante Formulierung.

Amalia Katharina von Waldeck-Eisenberg (1640-1697)

Sie hat Lieder gedichtet, vielleicht auch die Melodien dazu selbst komponiert. Ihr Buch „Andächtige Sing=Lust“ beinhaltet Lieder „Wormit eine GOtt=ergebene Gräfl. Dame Sich und Andere zu freudiger Abstattung Ihrer täglichen Christen=Pflicht ermuntern wollen.“ (Texte zitiert: Hier ) Die Eingangsworte sind ganz bescheiden: Ihre Lieder seien einfältig, aber mit ihnen habe sie sich in ihrem Leiden aufgerichtet und hofft nun, dass sie auch andere aufrichten. „Der Heyland hatte selbst an Einfalt Wohlgefallen“.

Interessant ist, wenn man diese Lieder liest, denkt man an viele Kirchengesangbuchlieder. Entweder hat sie diese neu formuliert – oder aber viele, die wir kennen, wurden in der Tradition ihrer Lieder formuliert. „Das Siebende der Beth=Lieder“ beginnt: „Aus meines Herzens Grunde schrey ich/ HErr GOtt zu dir / ich ächze mit dem Munde / ach! mein GOtt helfe mir/ erhöre doch mein Flehen / und öffne mir dein Hertz, / laß mich die Hülffe sehen / so heilet aller Schmerz.“ Wem das bekannt vorkommt – in etwa – schlage das Gesangbuch EG auf unter der Nummer 443. Georg Niege dichtete im 16. Jahrhundert: „Aus meines Herzens Grunde sag ich dir Lob und Dank…“. Es wird deutlich, dass es sich nicht nur um Lob- und Danklieder handelt. Man muss die Morgen/Abend- Lob-und-Dank-Lieder selbst einmal lesen (sie sind unter dem Link einsehbar). Lieder für jeden Tag in der Woche: Am Montag wird der wankelmütige Mond angedacht, am Dienstag der Dienst, Mittwoch: Jesus ist der Mittler, Donnerstag – der Donner des Wortes Gottes, am Freitag denkt sie an den Tag der Befreiung von der Leibeigenschaft durch Christus (Karfreitag) – also alles mit Blick auf den Glauben. Sie vertonte eine Gedichtfassung des Vater-Unsers und wird durch viele weitere biblische Texte angeregt, Lieder und Lehrlieder daraus zu formulieren.

Biographisch ist nur zu sagen, dass sie 15 Kinder hatte, von denen aber nur wenige überlebt haben.

Henriette Catharina von Gersdorff (1648-1726)

sie war eine sehr aktive und wissbegierige Frau. Als Ehefrau eines hohen Regierungsbeamten wirkte sie unter anderem, um den Pietismus (Spener) zu unterstützen. Sie förderte die sorbische Bibelübersetzung und setzte sich für die Ausbildung von Mädchen ein. Sie war die Großmutter von Zinzendorf und beherbergte schon vor diesem Glaubensflüchtlinge.

In dem Band von Pressel finden wir ein sehr langes Lied „In Anfechtung“, das mit der Zeile schließt: „Mach, o Arzt, mein Herz gesund.“ Dieses Thema Angst wird auch in dem Brüdergemeine-Lied 387 ausgesprochen: „Herr, mein Heil! in aller Angst / wend ich meine Glaubensaugen / zu dem Kreuze, da du hangst, / um da Trost aus dir zu saugen.“ Jesus antwortet ihr vom Kreuz her. Danach schreibt sie: „O wie tröstlich ist mir doch diese Stimme, die ich kenne!“ – Jesus hat ihr seine Liebe bekannt. In „Treuer Hirte deiner Herde“ beklagt sie die massiven Angriffe auf die Kirche (Brüdergemeine 1005). In diesem Lied wie auch in „Glaubensfreudigkeit“ (Pressel) betont sie, dass sie an Jesus festhält.

Joachim Neander (1650-1680)

Berühmter als Neander wurde sein Name, denn nach ihm wurde der Neandertaler benannt. Im Tal, in dem er oft spazieren ging, wurden Reste des später so genannten Neandertalers entdeckt. Er selbst zählt zu den bedeutendsten Dichtern der reformierten Gemeinde in Deutschland. Wie an den Liedern im Gesangbuch erkennbar, betont er lobend Gott / Christus als König, als Herrscher:

Himmel Erde Luft und Meer (Schöpfungslied – 504), Wunderbarer König, Herrscher von uns allen (327), Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren (316), Abermals ein Jahr verflossen (1878: 431), Unser Herrscher, unser König (1878: 453), Sieh hier bin ich, Ehrenkönig, lege mich vor deinen Thron (1878: 457), Wie fleucht dahin der Menschen Zeit (1878: 496).

Im Lied Himmel Erde Luft und Meer wird die gesamte Natur als Diener Gottes dargestellt, die dem König jauchzt. In dieser Gott lobenden Natur erkennt der Mensch Gottes Wirken. Die letzte Strophe lautet: „Ach mein Gott wie wunderbar / stellst du dich der Seele dar! / Drücke stets in meinem Sinn, / was du bist und was ich bin.“

Heute würde man weiter denken: Wenn die Natur nicht jauchzen kann, weil der Mensch nicht so handelt, wie es Gottes Willen entspricht, muss der Mensch sich ändern. Denn so kann sich Gott nicht „der Seele darstellen“ – ein Hindernis auf dem Weg zu Gott. Die Natur lässt auf den Schöpfer schließen, den Herrn, den König. Menschliche Herrscher / Könige spielen keine Rolle.

Magdalena Sibylla Herzogin von Württemberg / von Hessen-Darmstadt (1652-1712)

sie wurde nach dem Tod der Mutter in Schweden aufgezogen und dort lernte sie eine tiefe Frömmigkeit kennen, die sie ihr Leben lang begleitete. Ebenso lernte sie dort Ihren Mann kennen, den späteren Herzog Wilhelm Ludwig von Württemberg. Dieser starb, als sie mit dem vierten Kind schwanger war. Und so kam sie mit 25 Jahren zur Herrschaft, in Vertretung ihres noch minderjährigen Sohnes. Sie war sehr angesehen. Sie hatte ein großes Wissen, war an vielem interessiert – und so hat sie auch viele Kirchenlieder gedichtet, Gebete und Andachten geschrieben und veröffentlicht. In dem Band von Bers ist sie mit einem Gedicht vertreten, in dem sie sich nach dem Tod sehnt, weil sie dann beim geliebten Gott sein kann: „Denn wo mein Heiland bleibet / Da wünsch ich mich nur hin / Ich bin ihm einverleibet / Nach ihm steht all mein Sinn“. Leider sind mir keine neueren Ausgaben zugänglich, aber auf diese möchte ich hinweisen. Der Band gibt einen tiefen Eindruck von dem, was sie geschrieben hat: Hier Das Gedicht „Gottgelassenheit“ ist hier zu finden, daraus eine Strophe: „Ey, liebe Seel! komm laß uns sehen / Und uns erforschen recht und wohl: / Wie wir mit unserm Vater stehen / Und wessen unser Hertz sey voll? / Obs GOtt allein gewidmet lebe, / Nichts von der Welt im Grunde klebe?“ (Zitiert nach: http://www.deutsche-liebeslyrik.de/sonntagsgedicht/sonntagsgedicht5.htm )

Beide Texte zeigen an: Die Liebe zu Gott – aber dann auch die intensive Prüfung ihrer selbst: Wie sehe ich mich jetzt vor Gott. Die Texte sind nicht hartherzig. In dem Band „Das mit Jesus gekreuzigte Herz“ finden wir auch einen Text, der Hilfestellung für die Todesstunde gibt. Er gibt einmal die Angst wieder, mündet dann aber ein in das Gebet Jesu: Dein Wille geschehe. Es wird also nicht die Angst geleugnet, sondern bekannt und überwunden.

Susanna Elisabeth Zeidler (1657- um 1706)

Sie war Tochter und dann Ehefrau eines Pfarrers, die sich schon von Kind an für Gedichte interessierte. Sie hat sich über die lustig gemacht, die meinten, Frauen könnten keine Gedichte machen. Gott und die Natur gönnen Frauen das, was sie auch Männern gönnen („Beglaubigung der Jungfer Poeterey“) Hier wird schon etwas deutlich, was in den kommenden Jahrhunderten vermehrt auftreten wird: Gott und die Natur – nicht mehr nur Gott. Zudem finden wir in ihren Gedichten zahlreiche Aufnahmen antiker Göttermetaphorik. Das sei an dem „Trauergedicht über den sel. Abschied
Jungfr. Marien Elisabeth Sikelin d. Julii 1681″
verdeutlicht. Sie beginnt dieses Gedicht mit der Aussage: „Wir hofften / als man sprach / es wird nu Friede werden / Das Unglück würde gantz verschwinden von Erden /   Weil man bey Friedenszeit fein sicher leben kan. /   So ist es weit gefehlt / so fängt sichs erst recht an.“ Doch es herrschen Morden und Verwüstung. Auf dieses reagiert ganz wie im Alten Testament auch geschildert, die Natur. Das Feld trauert, Bäume und Bienen bringen keine Frucht mehr, Raupen fressen das Laub weg. Alles trauert. Dann erwähnt sie, dass Phöbus verhüllt ist, Aurora leuchtet nicht mehr, Minerva klagt, Musen fliehen usw. Das heißt: Mit Hilfe dieser Metaphorik wird das Leiden verstärkt dargestellt. Am Ende schreibt sie, dass die Verstorbene „bei ihrem Jesus“ ist, „Die Seele schwindet sich zu ihrem JESU hin“ und es wird geschildert, dass sie von ihrem Heiland aufgenommen wurde. „Sie ist nu an den Port / Der Seligkeit gelangt / und an den edlen Ort / Da wir auch allzumahl gedencken hin zu kommen.“ (Zitiert nach: http://www.wortblume.de/dichterinnen/zeidl094.htm )

Elisabeth Eleonore von Sachsen-Meiningen / von Braunschweig-Wolfenbüttel (1658-1729)

Sie war politisch aktiv – nahm aber wohl zu Unrecht Partei gegen ihren leiblichen Sohn, förderte damit massive Auseinandersetzungen – und ihr lagen Musik und Literatur am Herzen. Sie hat auch selbst Kirchenlieder verfasst. Ihre Klage über den Verlust des frühen Todes ihres ersten Mannes hat sie sehr beschäftigt, sie klagt und hadert – aber immer auch mit Blick auf einen gewissen Trost. So schreibt sie: „Ich fürchte meinen GOtt / Und scheue keine Noth / Ob mich gleich Unglück drücket / Werd ich doch nicht ersticket.“ Aber dennoch wird manchmal die Traurigkeit dominant, dann wieder ein Wort der Zuversicht: „Glückselig schätz ich mich / Weil ich kan sicherlich / Mich rühmen / daß ich bin / Ein Creutze-Trägerin.“ Aber das ist nicht das letzte Wort – es kämpfen weiterhin Trauer und Zuversicht in Gott miteinander (Bers). In „Von dem Vergnügen in Jesu“ wird auch das Leiden angesprochen, aber es dominiert: „MEin eintzigs Glück auf Erden / Such, JEsu, ich bey dir, / Da kan es mir nur werden, / Danin steht mein Begier.“ In dem Gedicht „Vertrauen auf Gott“ dominiert das Vertrauen – und jede Strophe endet mit dem Satz: „GOtt, dein Will ist auch mein Will.“ (beide Texte: https://nddg.de/gedicht/11229-Von+dem+Vergn%C3%BCgen+in+Jesu-Sachsen-Meiningen.html )