Horst Wesenberg (1909-1984)

Horst Wesenberg (1909-1984)

In Bearbeitung

war ein wichtiger Dichter der christlichen Pfadfinder. Es handelt sich um christliche Kampflieder. Er war nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes Pfarrer in der späteren DDR – und auch hier wurden seine Lieder gesungen. Die Situation war ähnlich: die bündische Jugendarbeit war unter Nationalsozialisten wie Kommunisten verboten; erlaubt war, was der Staat kontrollieren konnte. Er starb 1984 (wohl auf einer von der DDR nicht erlaubten) Israelreise.

Mir liegt vor: „Lieder der jungen Gemeinde in Gedichten und Weisen“, Pfad-Verlag Steyerberg, ohne Jahr, aber wahrscheinlich 1937, das in der Sowjetischen Besatzungszone zu den auszusondernden Büchern (Nr. 4530) zählte http://www.polunbi.de/bibliothek/1947-nslit-w.html .

Zur Pfadfinderschaft im Nationalsozialismus eine Anmerkung http://jenaplan-heute.de/wp-content/uploads/2014/05/jpp%C3%A4d-JugendbewegungPfadfindertum-Jan.2015.pdf (Hartmut Draeger 2015):

Das Gesetz über die Hitler-Jugend vom 1.Dezember 1936 erklärte die HJ zur
Staatsjugend, neben der keine andere Jugendarbeit mehr erlaubt war. Im Juni 1937 erhielt die CPD eine Verfügung der Gestapo: „Die Christliche Pfadfinderschaft (wird) mit sofortiger Wirkung verboten und aufgelöst.“ Der Einspruch der CPD gegen diesen Bescheid wurde unverzüglich abgelehnt: „Die Geheime Staatspolizei (treffe) Entscheidungen nach staatspolitischen Erwägungen. Diese Entscheidungen unterliegen bekanntlich weder der richterlichen Nachprüfung noch sind sie durch Rechtsmittel anfechtbar.“

Das Liederheft beginnt mit: „Heil in Christo!“ – und zwar als Zitat von Martin Luther aus „Sendbrief vom Dolmetschen“. Das „Gebet der jungen Gemeinde“ lautet in der zweiten Strophe:
Gott! Herrscher über Leben und Tod!
Wir sind der Hunger, und Du bist das Brot..
Wir sind der Durst, und in Dir ist der Wein:
Laß uns zu Gaste im Himmelreich sein!
“.
In „Ich bin die Kümmernis“ heißt es: „Auch wenn die Welt von Ungewittern tost, / kommst Du zu mir auf Deinen stillen Wegen. // … // Ich bin der Mensch, / Und Du bist Gott, der Geist. / Du wirst die Tiefen meiner Seele füllen / Und Botschaft geben, die mich hoffen heißt – / Und einmal, einmal wirst Du Dich enthüllen.“

Es sind religiöse Texte, die wie die genannten Zitate nicht nur andeuten, sondern zum Teil expressis verbis massiv zeitkritisch zu verstehen sind. In „Sprung mit Gott“ wird gesungen: „Lumpen und Tyrannen lungern / Um den Straßenrand der Welt. / Wer in Christo sich gegürtet, / Schlägt den Teufel aus der Welt.“ Wer damit gemeint ist, muss nicht gesagt werden. Und wieder ein christliches Kampflied (dazu s. Thurmair http://gedichte.wolfgangfenske.de/georg-thurmair-1909-1984/ , Riethmüller http://gedichte.wolfgangfenske.de/otto-riethmueller-1889-1938/), das manche heute kaum mehr verstehen, weil sie in einer gemütlichen und friedlichen Umwelt leben – denen zudem die Apokalypse des Johannes fremd ist: „Heiß oder kalt!“: „Heiß das Blut, das die Adern durchrauscht. / Kalt der Wind, der das Fahnentuch bauscht. / Heiß oder kalt! – Ja oder nein! / Niemals dürfen wir lauwarm sein!…“ Im weiteren heißt es: „Fest den Blick“, „Frei das Herz“: „Schlagt dem Teufel die Türen ein!“ Freiheit ist ein wichtiges Stichwort in dem Liederbuch. Die Hoffnung gegen die Rechtlosigkeit wird auf Gott gesetzt: „Liegt die Welt im Fieberwahn, / Will der Ordnung Ketten spalten, – Brechen göttliche Gewalten / Rechten und Gesetzen Bahn.“ Gott wird handeln – gegen die Rechtsbrecher – 1945 kam bekanntlich.

Nicht die Ahnen der Rasse rauschen durch die Wälder. Der nationalsozialistischen Ideologie wird Christliches entgegengesetzt: „Heimat, Deine Wälder singen / Seiner Heiligkeit Choral. / Ihre grünen Fahnen schwingen / Grüße aus dem Himmelssaal.

Und so finden wir zahlreiche Texte, die die Sprache der Zeit aufgreifen, aber neu prägen. In „Die Fahnen ragen in den Wind“ lautet die letzte Strophe: „Die Fahnen ragen in den Wind, / Der Sturm erwacht, die Reihen stehen. / Wir werden, wenn der Tag beginnt, / In Gottes Sturmkolonnen gehen.“ Dass das im christlichen Sinn zu verstehen  ist, zeigt das oben schon genannte Lied „Sprung mit Gott“: „Unser Schwert heißt Licht und Liebe, / Unser Glaube zwingt die Not, / Unser Sprung ins Ungewisse / Ist ein Sprung ins Morgenrot.“ Das Morgenrot ist christliches Codewort für Auferstehung.

Nicht nur damals waren die Lieder bei den Herrschern nicht beliebt, weder bei Rechtsextremen noch Linksextremen – heute mögen sie manche auch nicht und würden sie wahrscheinlich auch aussondern. Warum wohl? Dazu s. http://download.c-p-d.info/ostrakon/10_ii_2_musisches-unterwegs.pdf Andere singen sie noch gerne, s. http://pfarrverein-ekhn.de/cms/tl_files/pv/Pfarrblatt%202011/Umbruch%204-2011.pdf Seite 20f., denn viele wurden in dem Pfadfinder-Liederbuch „Jurtenburg“ 2011 aufgenommen. Dass Horst Wesenberg auch keinen Wikipedia-Artikel bekommen hat, mag an der Zufälligkeit der Artikel liegen.